PREMIERE „Der Schatzgräber“

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… von Franz Schreker (1813 – 1901)

Besuch der Premiere in der Deutschen Oper Berlin am 1.Mai 2022

Uraufführung am 21. Januar 1920 an der Oper in Frankfurt am Main.
Weitere Vorstellung: 6., 10., 14. Mai sowie 4. und 11. Juni 2022
(In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln 2 Stunden 45 Minuten)

Oper in einem Vorspiel, vier Akten und einem Nachspiel Libretto vom Komponisten

Musikalische Leitung: Enrique Mazzola
Inszenierung: Olivier Py
Bühne, Kostüme: Pierre-André Weitz
Licht: Bertrand Killy
Chöre: Jeremy Bines
Dramaturgie: Jörg Königsdorf

Premierenbesetzung:
Der König -Tuomas Pursio /Die Königin– Doke Pauwels /Kanzler -Clemens Bieber/
Der Graf / Ein Herold– Michael Adams /Der Magister / Der Schultheiss – Joel Allison /Narr – Michael Laurenz /Der Vogt -Thomas Johannes Mayer/ Junker -Seth Carico Jordan Shanahan (04.06.2022 | 11.06.2022)/ Schreiber– Gideon Poppe /Elis -Daniel Johansson …u.w.

Chöre Chor der Deutschen Oper Berlin
Orchester Orchester der Deutschen Oper Berlin

Zum Inhalt:
„Bereits zwei Mal hat Regisseur Christof Loy wenig bekannten Opern des beginnenden 20. Jahrhunderts an der Deutschen Oper Berlin zu einem erfolgreichen Comeback verholfen: Nach Erich Wolfgang Korngolds DAS WUNDER DER HELIANE und Riccardo Zandonais FRANCESCA DA RIMINI folgt nun ein weiterer, lange vergessener Opernschatz: Franz Schrekers DER SCHATZGRÄBER, eine der wichtigsten Opern der 20er Jahre. Schon die Uraufführung 1920 in Frankfurt geriet zum Sensationserfolg, und es folgten allein in den nächsten fünf Jahren nicht weniger als 44 Inszenierungen an verschiedenen Häusern. Doch dann wurde es still um das beliebte Werk. Schrekers Opern schienen nicht mehr dem Zeitgeist zu entsprechen, mit dem Aufführungsverbot der Nationalsozialisten verschwanden die Partituren endgültig in den Schubladen. Und auch nach 1945 dauerte es lange, bis eine Schreker-Renaissance einsetzte. DER SCHATZGRÄBER jedoch hat es bis heute schwer.“ [Deutsche Oper Berlin]

Besuchsbericht:
Eine arg komplexe, verwirrende Geschichte ist die Grundlage der Oper. Man ist gut beraten, sich vorher über die Beweggründe und die Stellungen der Personen in der Handlungsbeschreibung zu informieren um der Aufführung gut folgen zu können.
Das Bühnenbild besteht aus einem hohen dunklen Raum, der beiderseits mit je einem Zugang mit einer Stufe versehen ist und hauptsächlich dem Auftreten und dem Abgang der Handelnden dient. Das eine oder andere Möbel wird nach Bedarf hinzugefügt. Hauptdarsteller sind die Personen mit ihren jeweiligen Motiven, die sie präsentieren und für die sie sich rechtfertigen.

Foto © StridCarico

Franz Schrekers Interpretation der Gesellschaft seiner Zeit und deren Handlungen und ihrer Moral sind das eigentliche Thema seiner Oper. In eindrucksvollen Szenen wird der Zuschauer über die jeweiligen Motive und die Beweggründe für ihre Taten konfrontiert. Jeder denkt nur an seinen eigenen Vorteil und setzt seine Ziele rücksichtslos durch.Gegen alle Vernunft und Moral nur zu seinem eigenen Vorteil. So sieht Schreker seine Mitmenschen, Seine Bilder treibt er bis zum Exzess und scheut keine drastischen Bilder und Handlungsfolgen. Die Geschichten, die er erzählt, scheinen nur ein unwichtiger Rahmen für seine Anklage an die Verkommenheit der Gesellschaft zu seiner Zeit zu sein. Hat sich das Sittenbild der Gesellschaft von vor hundert Jahren seitdem viel verändert? Die Oper endet mit einem leichten Aufscheinen von Mitgefühl und Verantwortung für den Mitmenschen, aber bleibt doch in negativer Hoffnungslosigkeit.

Foto © LaurenzPursi

Das anfänglich unsichere und verhaltende Reaktion der Zuschauer entlädt sich im Schlussapplaus zu übergreifender Begeisterung mit einem lebhaften Applaus, man muss sich nach diesem Stück erst einmal sammeln um das Geschehen zu verarbeiten, dann aber kam die Entspannung im erlösenden Applaus.

Peter Dahms [OpernInfo-Berlin]

Titelfoto ©._JohanssonStrid
Weitere Fotos © StridCarico / LaurenzPursi