PREMIERE „SCHWANDA“ … der Dudelsackpfeifer

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(Švanda dudák)   am 5. März 2022 in der Komischen Oper Berlin

Operette in drei Akten [1933] Von Jaromír Weinberger 

Volksoper in zwei Akten [1927] Libretto von Miloš Kareš – Deutsche Nachdichtung von Max Brod

Stab:

Musikalische Leitung Ainārs Rubiķis – Inszenierung Andreas Homoki – Choreographie Otto Pichler –Bühnenbild Paul Zoller –Kostüme Klaus Bruns Dramaturgie Simon Berger –Chöre David Cavelius –Licht Franck Evin

Besetzung:

Schwanda Daniel Schmutzhard – Dorotka Kiandra Howarth –Babinský Tilmann Unger – Königin Ursula Hesse von den Steinen – Magier Jens Larsen – Richter Johannes Dunz – Scharfrichter/Der Höllenhauptmann Ivan Turšić – Teufel Philipp Meierhöfer – Des Teufels Famulus Timothy Oliver

Tänzer*innen:

Lauren Mayer, Meri Ahmaniemi, Tara Randell, Alessandra Bizzarri, Claudia Greco, Marika Gangemi, Ana Dordevic, Anna Athanasiou, Paulina Plucinski, Mariana Souza

Chorsolisten der Komischen Oper Berlin,

Es spielt das Orchester der Komischen Oper Berlin.

Inhalt:

 Einmal Königsthron, dann Hölle und zurück, bitte! – Jaromír Weinberger gelang mit seinem 1927 in Prag uraufgeführten Schwanda, der Dudelsackpfeifer ein Sensationserfolg, der bis 1933 tausendfach in Europa und den USA aufgeführt wurde. Nach dem Musical-Welterfolg My Fair Lady inszeniert Andreas Homoki nun die spätromantische Musiktheaterkomödie rund um diesen Dudelsackpfeifer. Mit von der Partie: Bariton Daniel Schmutzhard als böhmische Stimmungskanone sowie – als ewig geliebte Dorotka – Kiandra Howarth. Gemeinsam mit Generalmusikdirektor Ainārs Rubiķis erobern sie Herzen, die Welt und – die Unterwelt! [Komische Oper Berlin]

Pünktlich zum Essen steht er auf dem Hof: Babinský – Strauchdieb, Volksheld, Legende – und nimmt den jungen Schwanda mitsamt Dudelsack flugs mit. Es lockt ein Abenteuer, die große Welt! Mit guter Laune und seinem Instrument erwärmt der junge Mann ein Königinnenherz aus Eis, gewinnt ein Volk, gerät in Eifersuchtsprozesse und gar in Höllenpossen. Doch die Hölle ist vor allem eins: sterbenslangweilig! Mit Babinskýs Hilfe, mit Witz und mit Taschenspielertricks rettet Schwanda seine Seele und kehrt am Ende zur Liebe seines Lebens zurück. [Komische Oper Berlin]

Mit Schwanda schuf Jaromír Weinberger ein ebenso komisches wie berührendes Werk, das zwischen 1927 und 1933 zu den meistgespielten Opern zählte. Diese Liebeserklärung an Böhmen, aus Stoffen und Figuren der Heimat geschaffen, hat ihre musikalischen Wurzeln in Volksliedern und Tänzen der Region und trägt Blüten sowohl im Stil der Opern seines Landsmannes Bedřich Smetana – allen voran Die verkaufte Braut – als auch der spätromantischen Orchesterklänge à la Franz Schreker oder Richard Strauss. Nur ein Instrument kennt diese Partitur paradoxerweise nicht: einen Dudelsack! [Komische Oper Berlin]

Besuchsbericht:

© Jaro Suffner

Der Vagabund Babinsky fällt eines Tages in das Dorfidyll des Schwanda und seiner jungen Frau Dorotka ein, lädt sich selbst zum Essen ein und überredet den Dudelsackspieler Schwanda seine Musik nicht auf Dorffesten zu verschleudern, sondern damit in die große weite Welt zu ziehen, natürlich mit Babinsky, der ihm die tollsten Lügen darüber erzählt. Schwanda glaubt ihm seine Märchen und flieht als-über-Kopf aus dieser Idylle und lässt in der Eile seine Dorotka allein zurück. Der Dudelsack ist zwar immer dabei, aber völlig lautlos in der Geschichte. Schwanda ist draußen in der Welt sehr erfolgreich und zieht die Menschen mit seiner Musik an, aber zum Ende verliert er seine Seele und landet in der Hölle. Dort ist es sehr ungemütlich, sogar Hitler und Stalin sind dort zu finden. Babinsky bereut die Verführung des Einfältigen und setzt alle Tricks ein, um Schwanda wieder aus der Hölle zu retten. Es gelingt ihm und er besiegt den Teufel, Schwanda ist errettet und kehrt reumütig zu seiner Dorotka in das Dorfidyll zurück.

© Jaro Suffner

Das Stück wechselt zwischen dem Dorfidyll, der großen weiten Welt und der Hölle, die dazugehört, und wieder zurück in das Idyll. Das Bühnenbild und die Darsteller zeigen in bunten, bewegten Szenen diesen Wechsel und diese Gegensätze in rasanten Bildern, unterstützt von der bunten Tänzertruppe und den Darstellern, die dem Stück seine Rasanz geben. Die Zeit vergeht dabei wie im Fluge, Hier ist wieder eine echte Revue der Komischen Oper geliefert worden, wie man es erwartet hat, und darin eine Geschichte von Treue, Verführung und Moral. Das war ein unterhaltsamer Abend, trotz oder gegen den Corona-Missmut.

Peter Dahms [OpernInfo-Berlin.de]

alle Fotos ©Jaro Suffner