Fake History und Social Media

Allgemein Meinungen Rezensionen Literatur

Digitale Geschichtsbilder zwischen Algorithmen und Desinformation

Erschienen im transcript-verlag in der Reihe Public History – Angewandte Geschichte

Print, 360 Seiten ISBN 978-3-8376-7831-4, E-Book ISBN: 978-3-8394-1457-6

aus der Verlagsankündigung:

In den letzten Jahren hat sich in den sozialen Medien eine digitale Fake History etabliert. Sie stellt die fakten- und quellenbasierte Darstellung und Vermittlung von Geschichte infrage. Immer öfter enthalten auf Social Media geteilte Beiträge irreführend attribuierte Bilder und falsche oder aus dem Kontext gerissene Zitate. Vermeintlich historischer Content entbehrt vielfach jeglicher wissenschaftlicher Grundlage oder erweist sich bei genauerer Analyse als – mal mehr, mal weniger offensichtlich – gefälscht oder auf problematische Weise modifiziert. Die Beiträger*innen greifen diese wichtige Debatte in Form einer Problemgeschichte der Gegenwart auf und betten sie in breitere Kontexte ein. .“

Rezension:

„ … Unser Ziel ist es …, den dynamischen Entwicklungen digitaler Plattformen Rechnung zu tragen und der systematischen Beschäftigung mit Fake History einen Anstoß zu geben. Dafür skizzieren wir im folgenden Abschnitt zunächst die technisch-sozio-kulturelle Architektur, in der Fake History zu verorten ist. Anschließend grenzen wir den Terminus von ähnlich gelagerten Begriffen wie dem Geschichtsrevisionismus, der Geschichtslüge und -fälschung, den Fake News und der Verschwörungstheorie ab. Schließlich wagen wir den Versuch einer – nicht abgeschlossenen, jederzeit aktualisierbaren – Aufzählung spezifischer Charakteristika, die eine Operationalisierung des Begriffs Fake History ermöglichen soll. …“ (13)

„ … im Zusammenhang mit Social Media werden insbesondere Filterblasen oder Echo-kammern als Brutstätten von Fake-(Hi)Stories benannt. Sie konfrontieren Nutzer:innen mit einseitigen und/oder falschen Informationen und isolieren sie gleichzeitig von anderen „ (16)

„ … Soziale Medien sind heute omnipräsent. Mit dem großen Angebot verändert sich die kommunikative Realität: Jede Information, jede Meldung, jeder Gedankenanstoß durchläuft Netzwerke, Filter, Algorithmen, Dynamiken der Gruppenkommunikation und endet in mal größeren, mal kleineren digitalen Teilöffentlichkeiten (Frohne/Güttler 2023). Geschichte ist da keine Ausnahme, im Gegenteil: Als »eHistory«, »Viral Past«, »Edutainment«, Meme odergar »A.I. Slob«1 ist die Vergangenheit und das Historische vielgefragter und geklickter Content.“ (Steinhauer 2022) (80)

… „ Fake History ist durch Large Language Models, auf denen Technologien sogenannter Künstlicher Intelligenz (KI) beruhen, und Möglichkeiten generativer Bildgebung sogar noch präsenter geworden. “(81)

… „ So verschiebt sich, was überhaupt unter Geschichte verstanden und somit auch von Geschichte erwartet wird. Eine Analogie zu »Real News«, eine Art »Real History« – so Jason Steinhauer – sei eben nicht als Korrekturinstanz verfügbar und als Konzept an sich problematisch (vgl. Steinhauer 2017; “(81)

… „ Um das Phänomen der Fake History zu erklären, muss daher neben den Logiken der Plattformen, über die sie verbreitet wird, ihren Mechanismen und der Rolle ihrer Creator:innen auch eine weitere, schwierige Frage inden Blick genommen werden: Warum Nutzer:innen diese Inhalte erstellen,teilen, liken und abonnieren? Anstatt ihnen Defizite zu unterstellen, müssen sich Geschichts-, Medien- und Kulturwissenschaft, Pädagogik, aber auch die Wissenschaftskommunikation fragen: Wollen Teile der digitalen Öffentlichkeit Fake History? Welche Motive, jenseits des offensichtlich Politischen,gibt es Fake History zu erstellen, zu verbreiten und sie zu konsumieren? Und was hat das für mögliche Konsequenzen, wenn der Anspruch auf gute Wissenschaftskommunikation im Social Web nicht aufgegeben werden soll?

Dieser Beitrag nähert sich diesen Fragen auf explorative Weise, ohne letztgültige Antworten geben zu wollen. Er nimmt in den Blick, was Fake History sein kann und welchen Herausforderungen wir uns stellen müssen, wenn Public History und Wissenschaftskommunikation selbst Teil der digitalen Content Ökonomie werden, die ganz wesentlich zum Entstehen der Fake History beigetragen hat. …“(82)

Dieses Buch umfasst eine Problematik, die sich wie ein „Krebsgeschwür“ in den letzten Jahren mit der Entwicklung des Internets, das sich als eine interessante Lektüre und unverzichtbare Informationsquelle für Wissen und Meinungen etabliert hat, sich jedoch ebenso mit der gleichen Energie zu einem Marktplatz der negativen Quellen, von Hetze und Propaganda eines einen weiten Kreises von Zuträgern weiter entwickelt hat.

Es ist deshalb an der Zeit und eine Notwendigkeit, nicht eine direkte Zensur einzufügen, sondern den Auswüchsen der publizierten Fakes und willkürlich georteten Zitate geeignete Informationen und Aufklärungen entgegenzuhalten.

Die vorliegende Veröffentlichung hat sich dies zur Aufgabe gemacht und die entsprechenden Probleme zur Sprache gebracht und auf die Quellen und den vermeintlichen historischen Kontent der veröffentlicht wird hingewiesen und in den Sozial Media verbreitet wird.

Es ist höchste Zeit, dass sich etablierte Editoren und Presseorgane diesem Trend entgegenstellen und zum Widerstand, zur Wiederlegung und zur Information diesem Trend entgegenstellen. Die vorliegende Arbeit sollte eine breite Aufmerksamkeit erhalten und ein Teil einer Wiedererlangung der Qualität der Veröffentlichungen im Bereich des Sozial Media und darüber hinaus bewirken.

Dr. Peter Dahms [www.Dahms-Projekt.de/wordpress]