TiA – BALLET DE L’OPÉRA DE LYON „Trois Grandes Fugues“

Besuchsberichte TANZ Termine

Lucinda Childs / Anne Teresa de Keersmaeker / Maguy Marin

30. Tanz im August – Festival-Eröffnung – Besuch am 10. August 2018 im Haus der Berliner Festspiele

Zu einem ebenso ungewöhnlichen wie kontrastreichen Abend lädt das Ballet de l’Opéra de Lyon ein: Drei bekannte Vertreterinnen des zeitgenössischen Tanzes, Lucinda Childs, Maguy Marin und Anne Teresa de Keersmaeker, schufen Choreografien zu Beethovens “Große Fuge“ aus dem Jahr 1825. Ob als vibrierende Studie, dynamischer Kampf oder klare Analyse: Jede Choreografie interpretiert die Fuge neu. So machen “Trois Grandes Fugues“ die Komposition auf höchst unterschiedliche Weise hörbar, sichtbar und spürbar – und reflektieren zugleich das komplexe Verhältnis zwischen klassischer Musik und zeitgenössischem Tanz.

Foto © Stofleth

GRANDE FUGUE
Lucinda Childs
Choreografie Lucinda Childs – Assistenz Caitlin Scranton – Musik Ludwig van Beethoven, Die Große Fuge, Op. 133 in der Aufnahme von Lyon Opera Orchestra (Dirigent: Bernhard Kontarsky), 2016 – Bühne, Licht, Kostüm Dominique Drillot – Stück für 12 Tänzer*innen, Kreiert durch das Lyon Opera Ballet am 17. November 2016
Dauer 19 Min.

Foto © Stofleth

DIE GROßE FUGE
Anne Teresa de Keersmaeker
Choreografie Anne Teresa de Keersmaeker – Musik Ludwig van Beethoven, Die Große Fuge, Op. 133 in der Aufnahme von Debussy Quartet, 2006 – Bühne & Licht Jan Joris Lamers – Kostüm Rosas – Produktion Jean-Luc Ducourt – Stück für 8 Tänzer*innen, Kreiert durch die Rosas Company in den Halles de Schaerbeek im Jahr 1992. Aufgenommen in das Repertoire des Lyon Opera Ballet am 12. Februar 2006.
Dauer 18 Min.

Foto © Stofleth

GROSSE FUGUE
Maguy Marin
Choreografie Maguy Marin – Musik Ludwig van Beethoven, Die Große Fuge, Op. 133 in der Aufnahme von Italiano Quartet ℗1968, 1969 ©1996, Philips Classics – Licht François Renard – Stück für 4 Tänzerinnen, Kreiert durch die Maguy Marin Company im Espace Jean Properen de Meyzieu am 17. März 2001 – Aufgenommen in das Repertoire des Lyon Opera Ballet am 12. Februar 2006
Dauer 19 Min.

Besuchsbericht:

Da diese Veranstaltung die erste des Festivals und damit die Eröffnungsveranstaltung darstellte, mussten Organisatoren, Mitwirkende und das Publikum, für das ja das Programm entwickelt worden war unter den Problemen „leiden“, die sich bei einem Projekt dieser Art einstellen können. Nachdem leider schon, wie üblich alles sich in den Vorräumen des Saales bis schon einige Minuten nach dem angekündigten Beginn „drängelten“ bis sie ihre Plätze einnehmen konnten, verging eine scheinbar endlos lange Zeit, genau eine knappe Stunde, bis das Ballet de l’Opera de Lyon mit ihrer Aufführung beginnen konnte. Das Publikum lauschte in der ersten halben Stunde den Einführungsreden der Organisatorinnen und der Kulturpolitik. Dabei erfuhr man einige Hinweise zu den Gründen der Verspätungen (hier hatten wieder einmal Reiseprobleme, wohl durch den aktuellen Flugstreik, die Pläne durcheinandergebracht. Die Mitwirkenden hatten deshalb ihre „Aufwärmphase verkürzt, um die Vorstellung nicht zu gefährden. Sie hatten sich schon damit, vor dem Beginn einen Sonderapplaus verdient.

Nun ging es aber richtig los und entschädigte für alle Anlaufprobleme mit einer virtuosen Tanzaufführung.

GRANDE FUGUE
Lucinda Childs

Diese Choreografie wurde von Lucinda Childs als neueste Arbeit dieser drei für diesen Anlass ausgewählten Interpretationen ausgewählt. Lucinda Childs, die bisher bei ihren Choreografien mit Komponisten des 20. Jahrhunderts zusammen gearbeitet hatte schuf eine Arbeit nach einer klassischen Komposition. Das konnte interessant werden, zumal sie auch die Orchesterversion als Basis wählte. Entstanden ist ein Stück, dass in allen Teilen eine klassische ‘Ballett’ Anmutung zeigt. Figuren in der Gruppe, Paarszenen und Soli wechseln sich ab, auch Spitze oder mindestens halbe Spitze wird gezeigt. Der Ablauf ist harmonisch, melodisch und nicht hektisch. Das Gesamtbild zeigt Klassik in moderner Bewegungsdynamik. Eine tolle Darbietung. Der Beifall war dann auch entsprechend begeistert.

DIE GROßE FUGE
Anne Teresa de Keersmaeker

Diese Choreografie von de Keersmaeker ist schon eine ältere Arbeit und seit vielen Jahren ein Teil des Repertoires des Ballets in Lyon. Basis ist eine moderne Interpretation von Beethovens Thema von 1825, jedoch angepasst an die zeitgenössischen Tanz. Hier zeigen die Tänzer*innen die typischen Bewegungen und Bilder des modernen zeitgenössischen Tanzes. Bewegungen von hoher Dynamik, schnelle Wechsel, Sprünge und Figuren prägen das Bild. Hier war die klassische Komposition mit den Bewegungsabläufen zu verschmelzen.. Entstanden ist eine Integration von messerscharfer Rhythmik mit klassischer Harmonie. Beeindruckend die mitreißenden Bilder von Tempo, Kraft und Musik. Auch dieses Stück erhielt vom Publikum einen begeisterten Applaus.

GROSSE FUGUE
Maguy Marin

Die Choreografin Maguy Marin setzte, auch schon vor einigen Jahren, die Komposition Beethovens in eine Choreografie für vier Tänzerinnen um. Marin wählte hierbei einen theatralischen Ansatz und konnte auch damit überzeugen und zeigen, was in der Komposition von Beethoven gelesen werden kann und wo der Tanz eine Basis finden kann

Der gesamte Abend mit den drei unterschiedlichen Choreografien auf der Basis der gleichen kompositorischen Grundlage überzeugt durch die Möglichkeit, die verschiedenen Ansätze der Umsetzung nebeneinander zu sehen und zu vergleichen, wie sich auch Choreografen zu verschiedenen Zeiten und mit verschiedener künstlerischen Basis sich der gleichen Aufgabe stellen und diese umsetzen.

Das war ein guter, überzeugender Anfang des Jubiläumsfestivals „Tanz im August“ und die Aussicht auf einen interessanten, produktiven und erkenntnissreichen weiteren Ablauf der noch kommenden Veranstaltungen.

Peter Dahms [TanzInfo-Berlin.de]

Weitere Termine: 11. + 12. August 2018 – 19 Uhr

Alle Fotos © Stofleth