{"id":2133,"date":"2022-02-02T07:44:24","date_gmt":"2022-02-02T06:44:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dahms-projekt.de\/wordpress\/?p=2133"},"modified":"2022-02-02T12:12:51","modified_gmt":"2022-02-02T11:12:51","slug":"schrift-im-raum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dahms-projekt.de\/wordpress\/2022\/02\/02\/schrift-im-raum\/","title":{"rendered":"&#8222;Schrift im Raum&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Alexander H. Schwan<\/strong><br \/>\nKorrelationen von Tanzen und Schreiben bei Trisha Brown, Jan Fabre und William Forsythe<!--more--><\/p>\n<p>Erschienen beim <strong>transcript-verlag<\/strong> in der Reihe <strong>\u201eTanzScripte\u201c<\/strong> als Band 47 im Januar 2022<\/p>\n<p><strong>Print<\/strong>, 2\/2022, 358 Seiten kart., <strong>ISBN 978-3-8376-3814-1<\/strong><br \/>\n<strong>E-Book<\/strong> (PDF), <strong>ISBN 978-3-8394-3814-5<\/strong><\/p>\n<p><strong>Alexander H. Schwan<\/strong> <strong>(Dr. phil.)<\/strong>, geb. 1973,<br \/>\nTanzwissenschaftler und Evangelischer Theologe, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut f\u00fcr Theaterwissenschaft der Freien Universit\u00e4t Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Rolle von Religiosit\u00e4t und Spiritualit\u00e4t in der Tanzmoderne, zeitgen\u00f6ssische Tanz\u00e4sthetik sowie das Verh\u00e4ltnis von Tanzwissenschaft und Kunstwissenschaft. Die seinem Buch Schrift im Raum zugrunde liegende Dissertation wurde mit dem Tiburtius-Preis der Berliner Hochschulen ausgezeichnet.<\/p>\n<p><strong>\u2026 aus der Verlagsank\u00fcndigung:<\/strong><br \/>\nAlexander H. Schwan nimmt den bekannten Vergleich von Tanzen und Schreiben neu in den Blick und entwickelt erstmals eine umfassende Poetik der Bewegung als k\u00f6rperliche Schrift: \u00e9criture corporelle. Im intensiven Dialog mit Schrift- und Bildtheorien analysiert er herausragende Arbeiten postmoderner und zeitgen\u00f6ssischer Choreographie, die Tanzbewegungen als ephemere Einschreibung im Raum organisieren. Er zeigt exemplarisch auf, wie diese K\u00f6rperfigurationen als Ver\u00e4nderung eines imagin\u00e4ren Schriftbildes betrachtet werden k\u00f6nnen. So er\u00f6ffnet die Studie wichtige theoretische Perspektiven f\u00fcr die Tanzwissenschaft und ver\u00e4ndert die Wahrnehmung von Bewegung: Tanz wird sichtbar als fl\u00fcchtiges Schreiben und unlesbare Schrift im Raum.<strong>[transcript-verlag]<\/strong><\/p>\n<p><strong>Kurzrezension:<\/strong><\/p>\n<p>Der Autor stellt in diesem Buch, seiner Dissertation, einleitend die Frage: \u201eGezeichnete und geschriebene Linien sind Resultate k\u00f6rperlicher Bewegung, die Spuren eines minimalen Tanzvorgangs. Doch es ist m\u00f6glich und es hat seit Stephane Mallarme eine lange Tradition, Tanzen selbst als Geflecht von Bewegungslineaturen wahrzunehmen, als fl\u00fcchtiges und in sich verschlungenes Tanz-Lineament. Im genauen R\u00fcckgriff auf die Etymologie des Begriffs Choreographie als Tanz-Schrift er\u00f6ffnen sich hier f\u00fcr weitreichende Perspektiven: Tanz wird betrachtbar, ja lesbar als temporare Inskription und erscheint in Anlehnung an Mallarme als eine ecriture corporelle.\u201c Und weiter: \u201eSo wird nicht nur Schreiben als eine Art von Minimaltanz begriffen oder Tanzen als analog zum Schreibvorgang verstanden, vielmehr kann Tanzbewegung selbst als Simulakrum von Schrift verstanden werden. [20]\u201c<br \/>\nAus dieser Fragestellung heraus entwickelt der Autor seine Untersuchung zum Verst\u00e4ndnis bzw. seiner Interpretation der Natur des Tanzes als eine Schriftlichkeit, die sich im Raum entwickelt und darstellt. Er w\u00e4hlt zu diesem Zweck und als Referenz: \u201eVon Trisha Brown wie auch von William Forsythe werden je zwei Arbeiten untersucht, da beide sich in besonders komplexer Weise mit der Analogie von Tanzen und Schreiben sowie ihrem Ausdiffundieren ins Kritzeln besch\u00e4ftigt haben\u201c[20]<br \/>\nEr begr\u00fcndet die Auswahl: \u201cZun\u00e4chst wird bei Browns Roof and Fire Piece (1973) die Iterierbarkeit von Bewegungen problematisiert: Sie stellt ein wichtiges Verbindungsglied zu Schrift als System dar, kann aber aufgrund der Inexaktheit k\u00f6rperlicher Kopiervorgange nicht zur Ganze realisiert werden, sodass Tanzbewegung von einer unvermeidlichen In-Iterabilitat affiziert wird.\u201c[21]<br \/>\nUnd weiter: \u201eTrisha Browns St\u00fcck Locus (1975) bietet die M\u00f6glichkeit par excellence, um nach der Codierung und Dechiffrierbarkeit von Bewegungen zu fragen.\u201c[21] Zum zweiten Beispiel die St\u00fccke von William Forsythe : \u201eDie beiden Arbeiten von William Forsythe werden nicht wie die vorherigen St\u00fccke hinsichtlich ihrer Ann\u00e4herung an Schrift als System untersucht, sondern prim\u00e4r hinsichtlich ihrer simulierten Ikonizit\u00e4t von Schrift und der Auffassung von Tanzbewegungen als Schreibbewegungen befragt.\u201c[21]<br \/>\nAnschlie\u00dfend befasst er sich mit dem Forschungsstand zum Thema: \u201eDie Studie basiert einerseits auf den Forschungsfragen und -positionen, die im Rahmen eines erweiterten Schriftbegriffs gestellt wurden, und greift andererseits Anregungen aus tanzwissenschaftlicher bzw. literatur- und kulturwissenschaftlicher Diskussion zu einer Analogisierung von Tanz und Schrift, Bewegung und Schreiben auf.\u201c[22]<\/p>\n<p>Die Arbeit thematisiert die naheliegende Beziehung zwischen der Schrift und der Vorgabe der Bewegung in der Notation, als hier die Verbindung am augenf\u00e4lligsten ist und die Notation in tanzwissenschaftlicher Hinsicht ausf\u00fchrlich bearbeitet wurde. Und er stellt dabei auch fest, dass eine einheitliche Tanzschrift bis heute fehlt, wie auch oft bemerkt wird. Die Notation zeigt auch in eindrucksvoller Weise, die Differenz zwischen Tanz und Schrift die damit best\u00e4tigt wird. Und er zitiert: \u201eTanznotationen sind daher vieles, aber eines nicht: Tanz. Aufgrund dieser ontologischen Differenz \u2013 Schrift kann Tanz unter Verlust vieler Parameter festhalten, gerade weil sie selbst nicht Tanz ist \u2013 besteht die Gefahr, in der Orientierung an einem phonographisch verk\u00fcrzenden Verst\u00e4ndnis von Schrift, Tanzen wiederum mit Sprechen zu parallelisieren, so als wurde in der Tanznotation eine Bewegung festgehalten werden, die es in einer Art k\u00f6rperlichem Leseakt wieder zu verlebendigen gelte.\u201c [Zitat: Watts, Victoria: Dancing the Score. Dance Notation and Differance, in: Dance Research 28:1 (2010), S. 7-18.][83]<\/p>\n<p>Das Buch gibt tiefe, ausf\u00fchrlich begr\u00fcndete Einblicke aus der Literatur in das Verh\u00e4ltnis von Schrift und Tanz. Es zeigt die Differenzen auf, die in der Tanzliteratur ausf\u00fchrlich beschrieben und begr\u00fcndet werden. Es zeigt, dass Tanz und Schrift nicht ad\u00e4quat vergleichbar sind und der Unterschied in der Art des Tanzes als Bewegung, die nicht 100% wiederholbar ist und der Schrift, die unver\u00e4nderlich bleibt. Damit erscheint der Tanz mehr als ein \u201eGekritzel\u201c im Vergleich zur Schrift.<\/p>\n<p><strong>Peter Dahms<\/strong> [www.Dahms-Projekt.de\/wordpress]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alexander H. 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