{"id":1759,"date":"2020-05-02T19:24:01","date_gmt":"2020-05-02T17:24:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dahms-projekt.de\/wordpress\/?p=1759"},"modified":"2020-05-02T19:24:01","modified_gmt":"2020-05-02T17:24:01","slug":"das-jenseits-der-darstellung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dahms-projekt.de\/wordpress\/2020\/05\/02\/das-jenseits-der-darstellung\/","title":{"rendered":"&#8222;Das Jenseits der Darstellung&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Thomas Klie \/ Jakob K\u00fchn (Hg.)<\/strong><br \/>\n<strong>Postdramatische Performanzen in Kirche und Theater<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Neu im M\u00e4rz 2020<\/p>\n<p><strong>Print<\/strong> 3\/2020, ISBN 978-3-8376-5162-1<br \/>\n<strong>E-Book (PDF<\/strong> 3\/2020) ISBN 978-3-8394-5162-5<\/p>\n<p>Aus der Reihe:<br \/>\n\u201a<strong>RERUM RELIGIONUM &#8211; ARBEITEN ZUR RELIGIONSKULTUR<\/strong> \u2018 Band 5<br \/>\nvom <strong>[transcript-verlag<\/strong><\/p>\n<p><strong>REZENSION:<\/strong><\/p>\n<p>Der vorliegende Sammelband wird mit Zitaten eingeleitet, die in einer Zustandsanalyse den aktuellen Vollzug der Gemeindearbeit in der aktuellen protestantisch, evangelischen Praxis beschreiben:<br \/>\n\u201eDie Theaterwissenschaft hat sich nahtlos in das breite Ensemble praktisch-theologischer Bezugswissenschaften eingereiht. [\u2026 ]\u201c \u201eDoch die Welt des Theaters ver\u00e4ndert sich. [\u2026]\u201c \u201eSie bespielen es in anderer Weise als das dramatische Theater [\u2026]\u201c. \u201eDie Definition dessen, was wir unter Theatralit\u00e4t verstehen, hat sich verschoben. [\u2026]\u201c \u201eTheatralit\u00e4t stellt sich nicht mehr dort ein, wo wir etwas mit gro\u00dfen Gesten und viel Getue geboten bekommen. [\u2026]\u201c (7)<br \/>\n\u201eWas sich in den letzten beiden Dekaden als \u201epostdramatisches Theater\u201c erst zaghaft andeutete, ist derzeit dabei, sich fest zu etablieren und stilistisch die dramaturgische Arbeit im Theater zu ver\u00e4ndern.[\u2026]\u201c (8)<br \/>\nWas wird darunter verstanden, wie wird das erlebt, in der Gemeinde, als Pastoren und als Religionswissenschaftler und was folgt daraus f\u00fcr die weitere Entwicklung der protestantisch, evangelische Liturgie?<br \/>\nZum Titel des Sammelbandes schreiben die Herausgeber dieser Schrift zur Einleitung, wie sich aktuell die Aufregung um das Theaterparadigma der praktischen Theologie gelegt hat. Nach anf\u00e4nglichen Aufregungen haben sich in den zur\u00fcckliegenden 20 Jahren die dramaturgischen Elemente zu einem normalen Bestandteil der protestantischen Liturgie entwickelt und es hat sich zu einem Bestandteil der praktisch-theologische Bezugswissenschaften entwickelt. Jedoch hat sich die Welt des Theater ge\u00e4ndert und postdramatische Elemente wurden Bestandteil der liturgischen Praxis. Der Zuschauer wurde entdeckt und aktiv in den Vollzug des Gottesdienstes mit einbezogen, er war nicht mehr nur Empf\u00e4nger der Botschaft, er beeinflusste und formte sie durch seine aktive Teilhabe.<br \/>\nZw\u00f6lf Autoren*innen beschreiben in Ihren Beitr\u00e4gen aus ihrem theologischen, theaterwissenschaftlichen und\/oder allgemein geisteswissenschaftlichen Arbeitsbereich den Inhalt einer Entwicklung der Theaterwissenschaft zur Postdramatik aus ihrer Sicht und was diese Entwicklung f\u00fcr die protestantisch, evangelische Liturgie und die Gemeindearbeit bedeutet und in welcher Form sie adaptiert und praktiziert wird. Die Beitr\u00e4ge des Bandes entwickeln in einer interdisziplin\u00e4ren Diskussion die sich entwickelten Interferenzen. Im Vordergrund stehen die postdramatischen Auff\u00fchrungen in Kirche und Theater. Sie entstehen und werden realisiert in Zusammenarbeit von Praktischer Theologie und Theaterwissenschaft. Die Botschaft ist eindeutig.<br \/>\nIn den einzelnen Beitr\u00e4gen kommentieren die Autoren*innen das Thema aus unterschiedlicher Sicht:<br \/>\n\u201eAndreas Englhart kommentiert in seinem Beitrag die \u00e4sthetische Lage des deutschsprachigen Gegenwartstheaters. Trotz postdramatischer und performativer Einfl\u00fcsse werden heute immer noch mehrheitlich St\u00fccke gespielt, Theatertexte und Literatur inszeniert. Offenbar will der Mensch nicht ohne kleinere oder gr\u00f6\u00dfere Geschichten auskommen.\u201c(9)<\/p>\n<p>\u201eBarbara Gronau analysiert aus der Sicht der Theaterwissenschaftlerin das Ph\u00e4nomen des Sich-Zeigens. Was geschieht, wenn ein Etwas, eine Form, ein Lebewesen auf einem Schauplatz in die Sichtbarkeit tritt und zu einer lebendigen, bedr\u00e4ngenden Tatsache wird? \u201e(9)<br \/>\n\u201eThomas Klie skizziert die bisherige praktisch-theologische Rezeption der Theatertheorie und geht dann dem Theorieentwurf von Hans-Thies Lehmann zum \u201epostdramatischen Theater\u201c nach. (9)<br \/>\nDietrich Sagert schaut von der postdramatischen Performanz in Bild und Theater aus auf den evangelischen Gottesdienst. Er pl\u00e4diert mit Heiner Goebbels f\u00fcr eine \u201e\u00c4sthetik der Abwesenheit\u201c im Kultus und spielt diese Figur anhand einiger liturgischer Rubriken durch: Stille, Lesungen, liturgische (Nicht-)Pr\u00e4senz, leere<br \/>\nB\u00fchne (Altarraum) und Sprechakte. Solche Strategien der Abwesenheit er\u00f6ffnen k\u00fcnstlerische Erfahrungen bis hin zur \u201eAnwesenheit des Anderen\u201c. [\u2026] (10)<br \/>\n\u201eAntje Mickan schl\u00e4gt anhand von drei Beispielen, zwei Ausstellungsprojekten in Kirchen und einem Passionsmusical, eine Br\u00fccke zwischen Kunst, Religion und Raum. Sie geht mit Nelson Goodman der Frage nach, wie sich in der sp\u00e4ten Moderne Amalgame einer Religions- und Erinnerungskultur r\u00e4umlich performieren.\u201c [\u2026] (10)<br \/>\n\u201eKlaas Huizing kritisiert in systematisch-theologischer Perspektive mit Bernd Stegemann die postdramatische Kehre in der Praktischen Theologie. Zugleich pl\u00e4diert er f\u00fcr eine R\u00fcckkehr zum biblischen Realismus, zu biblischen Texten, die dazu tendieren, \u201eSchl\u00fcsselsituation zu horizontalisieren\u201c. Im Blick auf die evangelische Liturgie diskutiert er Aspekte, die dem postdramatischen Ansatz entsprechen (Leiblichkeit, Spielcharakter, Performativit\u00e4t), ohne dabei \u201ein den Strudel dekonstruktivistischer Handlungslethargie zu geraten\u201c. Ein postdramatischer Gottesdienst ist ein Gottesdienst, der sich vom alten Heilsdrama ganz entschieden befreit.\u201c [\u2026] (10)<br \/>\n\u201eKonrad M\u00fcller thematisiert die Fortbildungsarbeit im Bereich der \u201eLiturgischen Pr\u00e4senz\u201c nach Thomas Kabel. Hier werden mit einem der Schauspielausbildung entlehnten Methodenpotpourri Pfarrpersonen angeleitet, ihr liturgisches Handeln dramaturgisch zu optimieren. Die Grundlage ist dabei, dass hinter der Show, hinter dem Auftritt ein Sein sichtbar wird, das nicht mit einem formverliebten Ritual- und K\u00f6rperspiel zu verwechseln ist.\u201c [\u2026] (10)<br \/>\n\u201eKatharina Gladisch beschreibt, wie sie mit ihrem Projektteam zwei St\u00fccke mit ethisch-theologischem Anspruch in Szene setzt. Hierbei spielt die das Fremde eine zentrale Rolle, eine Figur, die mit Bernhard Waldenfels prominent reflektiert.\u201c [\u2026] (10)<br \/>\n\u201eLars-Robin Schulz geht am Beispiel des schwarzen Gottesdienst-Ringbuchs dem Verh\u00e4ltnis von Textbild und sprecherische Performanz nach. Wenn mit dem Ringbuch der Pfarrperson ein nennenswerter Anteil der gesprochenen Sprache im Gottesdienst gestaltet wird, dann ist dies f\u00fcr die Erforschung der sprechsprachlichen Performanz in der Liturgie keine Marginalie.\u201c [\u2026] (11)<br \/>\n\u201eLisa Espel\u00f6er rekonstruiert den liturgischen Theaterdiskurs am Beispiel des Inszenierungsbegriffs von Michael Meyer-Blanck. Mit Recht weist sie darauf hin, dass in diesem Theoriezugriff die Rolle des Publikums bzw. der Gottesdienstbesucher deutlich unterbestimmt bleibt. Mit Ranci\u00e8re und Lazarowicz skizziert sie einen um die Publikumskategorie erweiterten theologischen Inszenierungsbegriff\u201c. [\u2026] (11)<br \/>\n\u201eInsgesamt versteht sich der Band in doppelter Weise als ein Diskursangebot: Die Praktische Theologie ist aufgefordert, das Theaterparadigma postdramatisch fortzuschreiben und die produktiven Impulse, die hiermit gesetzt wurden, auch auf die Rezeptionsmodi des gemeindlichen \u201ePublikums\u201c auszuweiten, um damit auch die j\u00fcngsten Entwicklungen im Bereich der liturgischen Praxis deuten zu k\u00f6nnen. Und zugleich ist die Theaterwissenschaft aufgefordert, den von ihr favorisierten Ritualbegriff auch und gerade liturgisch zu sch\u00e4rfen. Auch wenn sich das neuzeitliche Religions- und Kultursystem funktional voneinander entfernt haben, sind Kirche und Kultur, Theater und Gottesdienst als soziale Ph\u00e4nomene \u00fcber die \u00e4sthetische Erfahrung \u201ejenseits der Darstellung\u201c nach wie vor eng mit einander verwandt.\u201c[\u2026] (11)<\/p>\n<p>Das Buch ist interdisziplin\u00e4r angelegt und beschreibt das Verh\u00e4ltnis von Praktischer Theologie und Theaterwissenschaft. Es bietet Einblick in die protestantisch-evangelische liturgische Praxis und die Gemeinsamkeiten in der praktischen Durchf\u00fchrung von postdramatischen Inhalten in beiden Disziplinen, wie die Bez\u00fcge zueinander sich zeigen und wie Gewinne aus den beiderseitigen Performanzen gezogen werden k\u00f6nnen. Die Beitr\u00e4ge sind \u00fcberwiegend Berichte und Beispiele aus der praktischen Durchf\u00fchrung und die Erkenntnisse die daraus gewonnen wurden.<\/p>\n<p><strong>Peter Dahms<\/strong> [www.Dahms-Projekt.de\/Wordpress\/]<\/p>\n<hr \/>\n<p><em><strong>Aus der Verlagsank\u00fcndigung:<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Die Welt des Theaters hat sich ver\u00e4ndert \u2013 und mit ihr die sie denkende Theorie. Was sich in den letzten beiden Dekaden als \u00bbpostdramatisches Theater\u00ab andeutete, ist derzeit dabei, stilistisch die dramaturgische Arbeit im Theater zu ver\u00e4ndern. Zeitgleich r\u00fcckte der in den 1990er Jahren gef\u00fchrte Diskurs zur dramaturgischen Gestalt der evangelischen Liturgie erstaunliche Neuentdeckungen ins Bewusstsein. Inszenierung und Pr\u00e4senz, Rolle, Leiblichkeit, Text und Spiel waren die zentralen Kategorien der liturgiewissenschaftlichen Verst\u00e4ndigung. In diesem Band wird das \u00bbpostdramatische Theater\u00ab erstmals praktisch-theologisch rezipiert, um die sakrale Theatralit\u00e4t \u00fcber sich aufzukl\u00e4ren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Thomas Klie \/ Jakob K\u00fchn (Hg.) Postdramatische Performanzen in Kirche und Theater<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1760,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-1759","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-rezliteratur"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dahms-projekt.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1759","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dahms-projekt.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dahms-projekt.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dahms-projekt.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dahms-projekt.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1759"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.dahms-projekt.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1759\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1762,"href":"https:\/\/www.dahms-projekt.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1759\/revisions\/1762"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dahms-projekt.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1760"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dahms-projekt.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1759"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dahms-projekt.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1759"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dahms-projekt.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1759"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}