{"id":1257,"date":"2019-10-28T10:17:15","date_gmt":"2019-10-28T09:17:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dahms-projekt.de\/wordpress\/?p=1257"},"modified":"2019-10-28T10:27:08","modified_gmt":"2019-10-28T09:27:08","slug":"digitaler-nihilismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dahms-projekt.de\/wordpress\/2019\/10\/28\/digitaler-nihilismus\/","title":{"rendered":"&#8222;Digitaler Nihilismus&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Geert Lovink<\/strong><br \/>\nThesen zur dunklen Seite der Plattformen<!--more--><\/p>\n<p>Print, 8\/2019, 242 Seiten kart., Klebebindung<br \/>\nISBN 978-3-8376-4975-8<\/p>\n<p>E-Book (PDF) ISBN 978-3-8394-4975-2<br \/>\nE-Book (EPUB), ISBN 978-3-7328-4975-8<\/p>\n<p>Aus der<strong> Reihe \u201aDigitale Gesellschaft\u2018<\/strong> vom [transcript-verlag]<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>REZENSION:<\/strong><\/p>\n<p>Seit Geert Lovink mit seinem Buch \u201eIm Bann der Plattformen\u201c im August 2017 im transcript-verlag das Thema des Internets und besonders der sozialen Netze einer umfangreichen kritischen Betrachtung unterzogen hatte, (\u2026 den <strong>Link<\/strong> zur Rezension sehen Sie unten), hat sich dieses immer mehr in der Gesellschaft und deren Kommunikation eingegraben, sodass es aus heutiger Sicht keine einfache M\u00f6glichkeit mehr gibt, sich dieser Umklammerung zu entziehen. Die politischen und kulturellen Ereignisse in der Welt haben seitdem die Probleme, die er in seinem Buch thematisierte nicht gebessert, sondern zunehmend versch\u00e4rft. Er stellt einleitend in einer Danksagung an den Verlag fest, dass die \u201eSocial-Media-Debatte\u201c den Mainstream erreicht hat, aber jede Art von Widerstand oder Alternativen, mit sehr wenigen Ausnahmen, so gut wie abwesend sind.<\/p>\n<p>In der Einleitung beschreibt er zusammenfassend den heutigen Zustand und die Akzeptanz, wie es es nennt, der \u201eNeuen Normalit\u00e4t\u201c anhand von Zitaten von schreibenden und leidenden Zeit- und \u201eNet\u201c-genossen. Pessimistisch mit Blick auf die weitere Entwicklung fasst er zusammen:<br \/>\n\u201eWillkommen in der Neuen Normalit\u00e4t. Soziale Medien formatieren unser Innenleben um. Wo Plattform und Individuum nicht mehr voneinander zu trennen sind, wird Social Networking identisch mit dem \u00bbSozialen\u00ab selbst. Nicht l\u00e4nger neugierig, was \u00bbdas n\u00e4chste Web\u00ab bringen wird, chatten wir \u00fcber die Informationen, die wir an mageren Tagen abweiden d\u00fcrfen. Die Zuversicht gegen\u00fcber der Zukunft ist zerbrochen \u2013 der saisonabh\u00e4ngige Hype ist auf eine stagnierende Zukunft reduziert.\u201c (9-10)<br \/>\nSpannend zu lesen, wie er auf der Grundlage zahlreicher Ver\u00f6ffentlichungen zum Thema den gegenw\u00e4rtigen Zustand analysiert, bewertet und wie schon im oben zitierten Buch, \u00fcber die Hoffnungen und die W\u00fcnsche und die Begeisterung berichtet, mit der die ersten realen Installationen des Internets von den ersten Usern aufgenommen wurden und welche gegenteiligen Entwicklungen sich daraus ergaben, seitdem dieses Medium zu einem Werkzeug der \u00d6konomie wie Facebook, Google und Co. und der Politik, wie z.B. die \u201eAlt-Right\u201c Bewegung verkommen ist. In neun Kapitel beschreibt er mit einf\u00fchrenden Zitaten die verschiedenen Quellen, er zitiert hier z.B. aus einem Artikel von 2017:<\/p>\n<p>\u201eDie Entzauberung des Internets ist eine Tatsache. Die Aufkl\u00e4rung bringt uns keine Befreiung, sondern Depression. Die fantastische Aura, die unsere geliebten Apps, Blogs und Sozialen Medien einst umgab, ist verblasst. Swipen, Sharen und Liken f\u00fchlen sich an wie seelenlose Routinen, leere Gesten. Wir haben damit begonnen, uns zu entfreunden und entfollowen, doch wir k\u00f6nnen es uns nicht leisten, unsere Accounts zu l\u00f6schen, weil dies sozialem Selbstmord gleichk\u00e4me.\u201c (27 &#8211; Kap.1)<\/p>\n<p>In dieser Weise geht er in seinem Buch den Grundgedanken des Themas mit ausf\u00fchrlichen Zitaten aus einschl\u00e4gigen Ver\u00f6ffentlichungen unter nachvollziehbarer Angabe der Quellendaten vor, zitiert und schl\u00e4gt Alternativen vor. Er entwickelt die Gedanken aus seinen fr\u00fchen Untersuchungen weiter und berichtet \u00fcber neuere Entwicklungen. So ist das ganze Buch eine Sammlung von Stimmungen, Diskussionen und Kritik an der \u201eNeuen Normalit\u00e4t\u201c, als Grundlage zur einer m\u00f6glichen, w\u00fcnschbaren Weiterentwicklung des \u201eSozialen\u201c in den Netzen und die daf\u00fcr und notwendigen \u00c4nderungen und Verbesserungen.das Das Buch bietet damit eine spannende Sammlung von Realit\u00e4ten, Kritiken und W\u00fcnschen zum Zustand und daraus zur Weiterentwicklung des \u201eSocial Web\u201c durch die Feststellung des Scheiterns von gro\u00dfen Hoffnungen basierend auf umfangreichen Quellenstudien, Diskussionen und Praxiserfahrungen.<\/p>\n<p>Dabei bel\u00e4sst er es nicht, im letzten Teil des Buches fasst er seine Vorstellungen (oder Tr\u00e4ume?) zur \u00c4nderung und zum Neuaufbau des Netzes (Internet) zusammen:<br \/>\nEr fordert konsequent die Enteignung von Facebook, Google und Co., den Aufbau des Netzes als Allmende (Gemeineigentum) der Menschheit, als Ersatz f\u00fcr aktuelle Parteien und Organisationen zu einem Netz der gesamten Menschheit zur Verbreitung von Ideen, zur M\u00f6glichkeit der freien und anonymen, tempor\u00e4ren und permanenten Verbindung beim Austausch von Ideen, Meinungen und Visionen ohne zentrale Kontrolle oder der permanenten Sammlung von Daten von Konzernen zur kommerziellen Verwertung. Das ist sein Grundanliegen, das er immer wieder als Zukunftsvorstellung in seinen Arbeiten herausstellt.<\/p>\n<p>Das Buch ist f\u00fcr jeden aktuellen und zuk\u00fcnftigen Teilnehmer an sozialen Netzen eine Pflichtlekt\u00fcre wegen ihres hohen, dichten Informationsgehalts, seiner treffenden Analysen und wegen der Vorstellung von Visionen zur Verbesserung und allgemein zur Zukunft des Netzes, die es propagiert und transportiert.<\/p>\n<p><strong>Peter Dahms<\/strong> [OpernInfo-Berlin.de \/ Dahms-Projekt.de]<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Link<\/strong> zu \u201e<strong>Im Bann der Plattformen<\/strong>\u201c<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.dahms-projekt.de\/cp405\/_rubric\/detail.php?nr=3257&amp;rubric=Wort&amp;\">https:\/\/www.dahms-projekt.de\/cp405\/_rubric\/detail.php?nr=3257&amp;rubric=Wort&amp;<\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Verlagsank\u00fcndigung:<\/strong><\/p>\n<p>Facebook, Twitter, Instagram, Tinder und Co. \u2013 all das Klicken, Scrollen, Wischen und Liken l\u00e4sst uns am Ende sinnentleert zur\u00fcck. Traurigkeit ist zum Designproblem geworden, die H\u00f6hen und Tiefen der Melancholie sind l\u00e4ngst in den Social-Media-Plattformen kodiert.<br \/>\nGeert Lovink bietet eine kritische Analyse der aktuellen Kontroversen, die sich um Social Media, Fake News, toxische virale Meme und Online-Sucht drehen. Er zeigt: Die Suche nach einem gro\u00dfen Entwurf darf als gescheitert gelten \u2013 und hat zu einer entpolitisierten Internetforschung gef\u00fchrt, die weder radikale Kritik \u00fcbt noch echte Alternativen aufzeigt.<br \/>\nWir sind aufgerufen, die k\u00fcnstliche Intimit\u00e4t von Social Media, Messenger-Apps und Selfies zu akzeptieren, denn Langeweile ist die erste Stufe der \u00dcberwindung des \u00bbPlattform-Nihilismus\u00ab. Und dann, wenn der Nebel sich lichtet, k\u00f6nnen wir daran arbeiten, die Datenfresser-Industrien in ihrem Kern zu treffen. <em><strong>[transcript-verlag]<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geert Lovink Thesen zur dunklen Seite der Plattformen<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1259,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-1257","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-rezliteratur"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dahms-projekt.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1257","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dahms-projekt.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dahms-projekt.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dahms-projekt.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dahms-projekt.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1257"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.dahms-projekt.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1257\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1262,"href":"https:\/\/www.dahms-projekt.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1257\/revisions\/1262"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dahms-projekt.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1259"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dahms-projekt.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1257"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dahms-projekt.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1257"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dahms-projekt.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1257"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}