{"id":1237,"date":"2019-10-07T08:54:26","date_gmt":"2019-10-07T06:54:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dahms-projekt.de\/wordpress\/?p=1237"},"modified":"2019-10-28T10:17:59","modified_gmt":"2019-10-28T09:17:59","slug":"pina-bausch-und-das-tanztheater","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dahms-projekt.de\/wordpress\/2019\/10\/07\/pina-bausch-und-das-tanztheater\/","title":{"rendered":"&#8222;Pina Bausch und das Tanztheater&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Gabriele Klein<\/strong><\/p>\n<p><strong>&#8222;Die Kunst des \u00dcbersetzens&#8220;<\/strong><\/p>\n<p><strong>Band 55<\/strong> der <strong>\u201eTanzScripte\u201c<\/strong> des <strong>[transcript]<\/strong>-Verlags<\/p>\n<p><strong>NEU im September 2019<\/strong><!--more--><\/p>\n<p><strong>Print<\/strong>, 9\/2019, 448 Seiten Hardcover, 71 Farbabbildungen, 28 SW-Abbildungen ISBN 978-3-8376-4928-4<\/p>\n<p><strong>E-Book (PDF)<\/strong> ISBN 978-3-8394-4928-8<\/p>\n<hr \/>\n<p>Ein, f\u00fcr die meisten anderen Produkte des transcript-verlag untypischer Auftritt, f\u00e4llt sofort auf, wenn man das Buch das erste Mal zur Hand nimmt. Stabile Au\u00dfendeckel und solide Fadenheftung f\u00fcr das fast 450 Seiten umfassende Werk zeigen Wertigkeit und Dauerhaftigkeit, die dieses Buch \u00e4u\u00dferlich schon zu einem Nachschlagewerk pr\u00e4destinieren. Auff\u00e4llig auch das Bildmotiv des Einbands, komplett in Kunstrasen (nat\u00fcrlich gedruckt) eingeschlagen, was das \u00fcber den Inhalt wohl aussagen soll? Auf jeden Fall, eine Ausgabe, die gef\u00e4llig erscheint und neugierig auf den Inhalt macht.<br \/>\nDie Autorin, Gabriele Klein, Professorin der \u201eTanzwissenschaft\u201c an der Uni-Hamburg und Mitherausgeberin der \u201eTanzScripte\u201c des Verlags, hat sich mit der Arbeit an diesem Buch eine Aufgabe gestellt, die sich dem Ph\u00e4nomen \u201ePina Bausch\u201c auf eine neue Art n\u00e4hern will. Sie beschreibt das ausf\u00fchrlich in der Einleitung:<br \/>\n\u201eNoch nie zuvor hatte jemand zugleich den Tanz- und den Theaterbegriff so radikal in Frage gestellt und noch nie zuvor hatte jemand das Sprechen, Singen oder Schreien, hatte Gesten, Alltagsgewohnheiten und Affekte sowie Bewegungen von Tieren, Pflanzen, Stoffen und Objekten auf der Buhne so bedingungslos zu Tanz erkl\u00e4rt und choreografisch umgesetzt.\u201c (9)<br \/>\n\u2026 und zu den bis heute vorliegenden Arbeiten zur Entwicklung und zu den Arbeiten von Pina Bausch schreibt sie: \u201eViele der vorliegenden Publikationen waren und sind \u2013 wie auch alle k\u00fcnstlerischen Arbeiten, die sich mit ihrem Schaffen auseinandersetzen \u2013 mit dem Problem konfrontiert, dass der Zugang zu den Materialien \u00fcber Pina Bausch und das Tanztheater Wuppertal bislang nahezu vollst\u00e4ndig versperrt war, die Autor*innen also nicht auf Primarquellen, sondern lediglich auf wenige Sekundarquellen zur\u00fcckgreifen konnten.\u201c [\u2026] \u201eDieses Buch schl\u00e4gt eine andere, neue Perspektive ein. Es legt den Fokus nicht auf die Choreografin oder auf einzelne St\u00fccke, sondern untersucht die k\u00fcnstlerischen Produktionen des Tanztheaters Wuppertal Pina Bausch. Produktion meint in diesem Buch das Zusammenspiel von Arbeitsprozess (Stuckentwicklung, Wiederaufnahmen, Weitergaben), jeweiligem Stuck und dessen Auff\u00fchrungen sowie der Rezeption. Dieses Zusammenspiel soll mit einem besonderen Fokus auf die 15 internationalen Koproduktionen exemplarisch aufgezeigt werden, die in diesem Buch erstmalig zusammen untersucht werden.\u201c (11)<br \/>\nDas macht sie im ersten Teil des Buches unter dem Titel \u201eSt\u00fccke\u201c. Die Autorin verbindet die einzelnen Produktionen von Pina Bausch mit aktuellen Umbr\u00fcchen und eingreifenden Ereignissen im gesellschaftlichen, politischen Umfeld zu dieser Zeit und zieht daraus ihre Schl\u00fcsse \u00fcber \u00e4u\u00dfere Einfl\u00fcsse und Pina Bausch pers\u00f6nliche und k\u00fcnstlerische Entwicklung. Die Menschen, die ihr bei der Verwirklichung ihrer Ideen zur Seite standen und aktiv an der Durchf\u00fchrung ihrer Arbeiten beteiligt waren sind das Thema des Kapitels \u201eCompagnie\u201c, das eingeleitet wird, durch ihre ausf\u00fchrliche Biografie, welche Entwicklung sie durchlief und wie sie zur \u201ePina Bausch\u201c als Begriff f\u00fcr neues Tanztheater wurde. Das dritte Kapitel \u201e\u201cArbeitsprozess\u201c beschreibt ihre Arbeitsweise bei der Entwicklung der St\u00fccke aus den Ideen, die gemeinsam im Dialog mit ihrer \u201aCompagnie\u2018 entstanden. Im folgenden Kapitel \u201eSolot\u00e4nze\u201c wird beschrieben, wie Pina Bausch aus Emotionen Bewegungen und Beschreibungen macht, die sich nicht in Worte fassen lassen. Die Frage, die schon seit Jahrhunderten den \u201aTanzmeister\u2018 besch\u00e4ftigt, wie kann Bewegung in Schrift gefasst werden, um T\u00e4nze lesbar, nachvollziehbar zu machen und sie damit Literatur werden zu lassen. Das n\u00e4chste Kapitel \u201eRezension\u201c zeigt den Zuschauer immer als einen Teilnehmer der Auff\u00fchrung. Wie verarbeitet er das Erlebnis, wie sieht er das Gesehene, das ist etwas rein Pers\u00f6nliches, eigene Erfahrung wird produziert, interpretiert und verarbeitet. Alle Untersuchung \u00fcber k\u00fcnstlerische Produktion und Verarbeitung bedarf zur Interpretation eine \u201eTheorie Methodologie\u201c damit besch\u00e4ftigt sich der letzte Teil des Buches. \u201eAnmerkungen\u201c zu den einzelnen Themen und den Interviews und die \u201eLiteratur\u201c in der die Autorin Unterst\u00fctzung zu ihrer Arbeit sch\u00f6pft schlie\u00dfen den Band ab.<br \/>\nZur Entstehung und zum Arbeitsprozess zu diesem Buch und \u00fcber die Motivation zur Bearbeitung des umfangreichen Quellenmaterials und die Form der Pr\u00e4sentation der Ergebnisse in diesem Buch schreibt die Autorin: \u201eDen theoretischen Rahmen des Buches bildet die Theorie der \u00dcbersetzung, die ich im Laufe des Forschungsprozesses zu einer Praxistheorie des \u00dcbersetzens weiter entwickeln konnte. Deren grundlegende These lautet, dass \u00dcbersetzungen f\u00fcr k\u00fcnstlerische Arbeitsprozesse und Werke grundlegend sind. \u00dcbersetzung wird in diesem Buch als eine zentrale Praxis (tanz-)k\u00fcnstlerischer Arbeit einerseits und als grundlegendes Konzept tanzwissenschaftlicher Forschung andererseits vorgestellt.\u201c (14) und weiter \u201eEine Tanzproduktion ist demnach ein permanenter und vielschichtiger \u00dcbersetzungsprozess: Zwischen Sprechen und Bewegen, Bewegung und Schrift, zwischen verschiedenen Sprachen und Kulturen, zwischen unterschiedlichen Medien und Materialien, zwischen Wissen und Wahrnehmung, zwischen den Compagnie-Mitgliedern bei der St\u00fcckentwicklung und den Weitergaben, zwischen Auff\u00fchrung und Publikum, zwischen St\u00fcck und Tanzkritik, zwischen k\u00fcnstlerischer und wissenschaftlicher Praxis.\u201c (14)<br \/>\n\u2026 anschlie\u00dfend beschreibt sie ihre Vorgehensweise, ihre Methodik des \u00dcbersetzens als eine Praxistheorie, wie sie es nennt ausf\u00fchrlich: \u201eDas Buch verhandelt eine Praxistheorie des \u00dcbersetzens. Es fragt nicht danach, was \u00dcbersetzung von oder im Tanz ist, sondern es zeigt auf, wie eine Tanzproduktion durch \u00dcbersetzungsprozesse charakterisiert ist. Dieses Wie richtet sich auf die Art und Weise des \u00dcbersetzens, also auf dessen Praktiken. Diese praxeologische Perspektive ist nicht nur neu f\u00fcr den kultur- und sozialtheoretischen Diskurs um \u00dcbersetzungstheorien, sondern auch f\u00fcr die Tanzforschung und wird in diesem Buch im Hinblick auf historische, kulturelle, mediale, \u00e4sthetische, interaktive und k\u00f6rperliche Aspekte vorgestellt.\u201c (14)<br \/>\nZu der Struktur des Inhalts des Buches gibt sie eine ausf\u00fchrliche Einf\u00fchrung \u2026 \u201eDas Buch ist nicht linear aufgebaut, sondern modular angelegt. Die einzelnen Kapitel thematisieren mit .Compagnie. .St\u00fccke., .Arbeitsprozess ., .Solot\u00e4nze. und .Rezeption. jeweils einen Aspekt einer Tanzproduktion. Das Kapitel .Theorie und Methodologie. Erl\u00e4utert die theoretischen und methodische Grundlagen, das abschlie\u00dfende Kapitel diskutiert das Werk Pina Bauschs im Hinblick auf die Frage der Zeitgenossenschaft. Alle Kapitel folgen konzeptionell und stilistisch dem Thema und dem Material, das sie bearbeiten, sie sind entsprechend unterschiedlich \u00fcbersetzt und angelegt: essayistisch, analytisch, theoretisch.\u201c (16)<br \/>\nDie Versprechungen in der Einleitung des umfangreichen Werkes hat die Autorin erf\u00fcllt und eine Arbeit vorgelegt, die den Charakter eines Standardwerkes zur Legende und zum Ph\u00e4nomen \u201ePina Bausch\u201c darstellt und viele der bisherigen Ver\u00f6ffentlichungen aus zweiter Hand, (Pina Bausch hat sich sehr selten in pers\u00f6nlichen \u00c4u\u00dferungen \u00fcber ihr Werk bereit erkl\u00e4rt) widerlegt, unterst\u00fctzt und auch f\u00fcr die interessierte Nachwelt dokumentiert. Die solide Ausf\u00fchrung durch den Verlag sichert dem Buch eine lange Existenz in einer Fach- oder Privatbibliothek zu.<\/p>\n<p><strong>Peter Dahms<\/strong> [TanzInfo-Berlin.de]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gabriele Klein &#8222;Die Kunst des \u00dcbersetzens&#8220; Band 55 der \u201eTanzScripte\u201c des [transcript]-Verlags NEU im September 2019<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1238,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-1237","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-rezliteratur"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dahms-projekt.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1237","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dahms-projekt.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dahms-projekt.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dahms-projekt.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dahms-projekt.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1237"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.dahms-projekt.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1237\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1260,"href":"https:\/\/www.dahms-projekt.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1237\/revisions\/1260"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dahms-projekt.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1238"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dahms-projekt.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1237"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dahms-projekt.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1237"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dahms-projekt.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1237"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}