{"id":1155,"date":"2019-08-13T10:37:10","date_gmt":"2019-08-13T08:37:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dahms-projekt.de\/wordpress\/?p=1155"},"modified":"2019-08-13T10:37:10","modified_gmt":"2019-08-13T08:37:10","slug":"das-denken-der-buehne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dahms-projekt.de\/wordpress\/2019\/08\/13\/das-denken-der-buehne\/","title":{"rendered":"Das Denken der B\u00fchne"},"content":{"rendered":"<p><strong>Leon Gabriel, Nikolaus M\u00fcller-Sch\u00f6l<\/strong>l (Hg.)<\/p>\n<p><strong>Szenen zwischen Theater und Philosophie<\/strong><\/p>\n<p><strong>im August 2019<\/strong> \/ Band 9 aus der Reihe \u201aTheater\u2018 vom <strong>[transcript-verlag]<\/strong><!--more--><\/p>\n<p><strong>Print,<\/strong>\u00a0 278 Seiten kart., 8 SW-Abbildungen<br \/>\nISBN 978-3-8376-4239-1<\/p>\n<p><strong>E-Book (PDF)<\/strong>, ISBN 978-3-8394-4239-5<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>REZENSION:<\/strong><\/p>\n<p>Als einf\u00fchrende Bemerkungen zu diesem Sammelband sollten aus dem Vorwort und der Verlagsank\u00fcndigung einige Zitate hier wiedergegeben werden, um den Leser einzustimmen, welche Fragestellungen und welche philosophisch gepr\u00e4gten Erkenntnisse ihn bei der Lekt\u00fcre erwarten und welche \u00dcberlegungen zu den einzelnen Beitr\u00e4gen gef\u00fchrt haben.<\/p>\n<p>\u201eTheater und Philosophie \u2013 dieser Band vereint erstmals zwei paradigmatische, historische Konstellationen: zum einen jene von der Zusammenarbeit mit Walter Benjamin gepr\u00e4gte Theatertheorie und -praxis Bertolt Brechts, die sich in den \u00bbLehrst\u00fccken\u00ab und im Fragment \u00bbDer Messingkauf\u00ab findet. Zum anderen die in gegenw\u00e4rtigen Theater- und Theoriediskursen einander korrespondierenden Redeweisen von Theater als einer Form des szenischen Denkens (William Forsythe u.a.) und von Philosophie als einer Form des Theaters (Jacques Derrida, Samuel Weber). Die Beitr\u00e4ge aus Philosophie, Theater- und Literaturwissenschaft analysieren das Theater der Philosophie und fragen, wie Theater denkt.\u201c (\u2026 aus der Verlagsank\u00fcndigung zu diesem Sammelband)<br \/>\n\u201eDer hier vorgelegte Band geht auf einen konkreten Anlass zur\u00fcck: Er dokumentiert einige Beitr\u00e4ge, die im Zusammenhang eines internationalen und interdisziplin\u00e4ren Symposiums zum Thema \u201eThinking on\/of the Stage\u201c vorgestellt wurden, das vom 26.-29. September 2013 im K\u00fcnstlerhaus Mousonturm in Frankfurt stattfand. Ausgangspunkt des Symposiums war das Verh\u00e4ltnis von Theater und Denken unter besonderer Ber\u00fccksichtigung von drei historischen Konstellationen. Zum ersten von der Begegnung Walter Benjamins und Bertolt Brechts zu Beginn der 30er-Jahre, [\u2026]\u201c.(10)<br \/>\n\u201eAls Denken auf der B\u00fchne begriff in den vergangenen drei Jahrzehnten eine ganze Reihe von Theatermachern aller Sparten die eigene Praxis. Zu nennen w\u00e4ren hier Choreograph*innen wie William Forsythe, Jer\u00f4me Bel, Xavier Le Roy, Wanda Golonka, Meg Stuart oder Laurent Ch\u00e9touane, aber auch Theatermacher*innen wie Ren\u00e9 Pollesch, Jean Jourdheuil, Ruth Kanner [\u2026]\u201c(11)<br \/>\n\u201eWas aber sollte die Rede von einem denkenden Theater genau ausdr\u00fccken? Handelte es sich dabei um eine blo\u00dfe Metapher? Und wenn nicht: Wann wird dort gedacht? Wer denkt? Auf welche Weise? Kurz gefasst: Wie denkt Theater? [\u2026] (12)<br \/>\n\u201eAn Szenen, in denen Theater in der Philosophie eine prominente Rolle einnimmt und zur zentralen Metapher erhoben wird, mangelt es ebenso wenig wie an der Verhandlung von philosophischen Fragen im Theater, vor allem in dramatischen Texten. Was aber ist die Besonderheit eines szenischen Denkens? Wo l\u00e4sst sich davon sprechen, dass eine B\u00fchne einen Denkvorgang entwirft oder in diesen verwickelt ist? Der vorliegende Band geht diesen Fragen in unterschiedlichen Schlaglichtern nach und entwirft dabei zugleich eine Linie, die neben dem Bezug von Brecht-Benjamin zur Dekonstruktion und wiederum dieser Konstellation zum Theater auch das Verh\u00e4ltnis von Sprache, Denken und B\u00fchne auslotet. Der Zusammenhang von Sprache und Denken, wie er in der oben eingef\u00fchrten Thematik der \u00dcbersetzung erscheint, hat so den Forschungskontext der Frankfurter Theaterwissenschaft und diesen Band begleitet.. [\u2026]\u201c (13)<br \/>\n\u201eWenn Denken also vielmehr sowohl im Offenen als auch im Zeichen seiner Bedingungen<br \/>\nstattfindet, so stellt dies immer auch die Frage nach dem, was Teil dieses Denkens ist: Wie erscheint solches Denken auf seiner jeweiligen B\u00fchne? Welche Ausschl\u00fcsse verhandelt es?(Zitat) Welches Material und welches Medium \u2013 kurz: welche Darstellung \u2013 ist unl\u00f6sbar in dieses Denken verwickelt? [\u2026]\u201c (15-16)<br \/>\n\u201eDie Beitr\u00e4ge des vorliegenden Bandes korrespondieren mit den drei Konstellationen, die am Ausgangspunkt der Frankfurter Forschungsarbeit zum Denken auf der B\u00fchne standen: Brechts und Benjamins Denken des Theaters bilden den Fluchtpunkt der vier Beitr\u00e4ge der ersten Sektion, [\u2026]\u201c (17)<br \/>\n\u201eAusgehend von den vier Beitr\u00e4gen der zweiten Sektion erscheint der Kontext des Bandes in einem weiteren philosophischen und politischen Zusammenhang, [\u2026]\u201c (17)<br \/>\n\u201eDie dritte Sektion des Bandes untersucht vor dem Hintergrund der neu aufgeflammten Diskussion \u00fcber das Denken der B\u00fchne, practice based research und k\u00fcnstlerische Forschung verschiedene k\u00fcnstlerische Praktiken, die speziell das Denken der Zeit in einer Installation von William Kentridge (Schade), des Raumes in einer Choregraphie von Laurent Ch\u00e9touane (Otto) und der Affizierbarkeit in einer Performance von Walid Raad (Gabriel) betreffen. Eingerahmt werden diese Beitr\u00e4ge von den \u00dcbersetzungen zweier wegweisender Beitr\u00e4ge zum Thema, von Samuel Webers zun\u00e4chst als Keynote gehaltenen Beitrag \u201eThe Thinking Stage\u201c und Jacques Derridas urspr\u00fcnglich als Vorlesung \u00fcber Shakespeares Der Kaufmann von Venedig entwickelten Ausf\u00fchrungen zu Shakespeares szenischem Nachdenken \u00fcber Recht und Gnade[\u2026]\u201c .(18)<\/p>\n<p>\u2026 Soviel zur Einf\u00fchrung und zur inhaltlichen Verarbeitung der verschiedenen Richtungen des Theaters als Musik, Performance- Literatur- und historisches Theater durch mich und uns als Zuschauer. Welche Erkenntnisse gewinne ich aus der Lekt\u00fcre der Beitr\u00e4ge und wie helfen mir die gewonnenen Einsichten zur pers\u00f6nlichen Wahrnehmung des Theaters und des Erkenntnisgewinns den ich daraus ziehen kann?<\/p>\n<p>Einf\u00fchrend und grundlegend besch\u00e4ftigt sich das Buch, d.h. hier der erste Beitrag, mit dem Dilemma, dass sich bei einer Schuld und der Verpflichtung sie einzul\u00f6sen, die Uneinl\u00f6sbarkeit der Forderung zeigt und einer, durch \u00c4nderung zu einer \u00e4quivalenten Leistung sich die Grundlagen einer Religion entgegenstellen. Ersatzweise und zur L\u00f6sung des Problems wird zu einer theatralischen Inszenierung gegriffen, die den Fordernden zu einer Form der Gnade zur Aufgabe, in der Form ge\u00e4nderter, zu einer anderen Form der Befriedigung der Forderung veranlassen soll. Der Beitrag diskutiert die m\u00f6glichen L\u00f6sungen, die dagegen sprechenden Grundlagen einer Religion, hier dem Christen- und dem Judentum, die einer L\u00f6sung des Problems entgegenstehen. Shakespeare hat diese in seinem \u201eKaufmann von Venedig\u201c eindringlich und ausf\u00fchrlich herausausgearbeitet.<br \/>\nDas Buch entwickelt in den folgenden Beitr\u00e4gen \u00fcber die Autoren und Philosophen Benjamin, Brecht, Derrida und Le Roy deren Verst\u00e4ndnis und Sicht auf das Theater und dessen M\u00f6glichkeiten, auf der B\u00fchne diese Probleme zu behandeln und zu L\u00f6sungen beizutragen.<\/p>\n<p>Untersucht wird die Bedeutung von Vergebung und Mitleid in Moral und Religion und ihre Behandlung im Theater. Die Trennung zwischen Spieler und Zuschauer wird im Theater aufgehoben und f\u00fcr eine neue Theatertheorie thematisiert. Das sind die interessanten Themen, die in diesem Sammelband aus den unterschiedlichen Betrachtungsrichtungen, ausf\u00fchrlich diskutiert und kommentiert werden und zu interessanten Schlussfolgerungen f\u00fchren. Eine tiefgr\u00fcndige Diskussion, die eine F\u00fclle von Informationen zwischen zwei Buchdeckel zw\u00e4ngt, und viele neue Denkanst\u00f6\u00dfe zu alten und zu neueren Problemen und Fragen aufwirft, fast mehr als sie auch beantwortet.<\/p>\n<p><strong>Peter Dahms<\/strong> [OpernInfo-Berlin.de \/ Dahms-Projekt.de]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leon Gabriel, Nikolaus M\u00fcller-Sch\u00f6ll (Hg.) 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