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"Im Bann der Plattformen" - Neuerscheinung im Mai 2017
Die nächste Runde der Netzkritik


Im Bann der Plattformen

Die nächste Runde der Netzkritik

Print, 39,99 € - 344 Seiten, kart,

ISBN 978-3-8376-3831-8

 www.transcript-verlag.de

Was hatte man uns versprochen, was hatten wir erwartet mit dem „Advent“ des frei verfügbaren Internets zum Ende des vergangenen Jahrtausends. Jeder, der sich mit seinem privaten Computer einen Zugang zum Internet einrichten wollte und es mit einigen Kenntnissen der Webprogrammierung mit HTML und CSS auch konnte, eine eigene private Visitenkarte für die „ganze Welt“ publizieren und seine Person, seine Meinungen zu beliebigen Themen und Informationen über seine Umwelt public machen.
Was ist bis heute daraus geworden, eine Zugangsschwelle über große Anbieter, wie Facebook, Twitter, Amazon und Google sowie Informationsportalen hinter einer Bezahlschranke öffnen uns den Zugang zu Informationen, die zensiert, reduziert und ausgesucht nach ökonomischen Kriterien verdeckt den freien, beliebigen Zugang verhindern wollen und es wohl auch erreichen werden.
Geert Lovink, niederländischer Medientheoretiker, Internetaktivist und Netzkritiker, hat mit diesem Buch, das das Fünfte über dieses Thema und das Dritte davon bei „transcript“ ist, seine Besorgnis und seinen Bedenken zum heutigen Internet in den Worten ausgedrückt: „Im Bann der Plattformen beschreibt das Zusammenschrumpfen eines Horizonts, vom unbegrenzten Raum, der das Internet einmal war, zu einer Handvoll Social Media Apps“.(11) Die Entwicklung des Internets folgte diesem Entwicklungsweg: „Brachten die achtziger Jahre die Medientheorie hervor und waren die Neunziger das Jahrzehnt der Netzwerke, so leben wir nun im Bann der Plattformen. Wie der Begriff andeutet, geht die Tendenz dahin, sich nach oben zu orientieren – zu zentralisieren, zu integrieren, zusammenzufassen. Während sich die Netzwerk-Ideologie ihrer dezentralen Natur rühmte, verkündet die Plattformkultur stolz, dass die Menschheitsfamilie endlich ein gemeinsames Zuhause gefunden hat.“(13)

Zu diesen zentralen Entwicklungen bringt der Autor eine Fülle von Aussagen und veröffentlichten Kommentaren, die er mit Zitaten belegt und zum eigenen Nachlesen die entsprechenden Links in den Fußnoten benennt. In diesem Zusammenhang ist jedoch zu beachten, dass das Internet kein Archiv ist, wie er selbst feststellt. „Das Internet ist immer für eine Enttäuschung gut, was seine Funktion als öffentliches Speichergerät angeht. Was Henry Warwick »temporären Speicher« nennt. In einer Reihe populärer Mythen, akademischer Referenzen und journalistischer Annahmen gibt es keinen Beweis, dass Rechner-Netzwerke als Archiv fungieren können. Aufgrund staatlicher und unternehmerischer Interessen ist das ›Netzwerk der Netzwerke‹ schlichtweg zu dynamisch und zu instabil, um sich für einen langzeitlichen Erhalt kultureller Artefakte zu eignen. Werden die Rechnungen nicht bezahlt, ziehen die Systemadministratoren weiter, gehen in Rente oder sterben, werden Betriebssysteme nicht aktualisiert, gehen Unternehmen pleite und die Richtlinien von Telefongesellschaften ändern sich; dann stürzen die Festplatten ab und erlauben keinen Zugriff mehr, die Konnektivität bricht zusammen oder schaltet sich ab, Serverracks werden vergessen, vom Netz getrennt, und dann als Schrott verkauft und recycelt, und Domänennamen laufen ab oder werden nicht erneuert. Es ist diese dynamische Vitalität des Internets, die der implizierten Statik des Archivs zuwiderläuft.(212)Aber auch:  „Alle Archive erfordern Kuratierung. Daher gibt es, genau genommen, keine Big-Data-Archive. Die unsortierten Rohdaten-Sammlungen können – und werden – zur Erforschung für nächste Generationen gespeichert werden. Es bleibt allerdings eine offene Frage, ob Tausende von Servern, die Big Data vorhalten, einen kulturellen Wert haben oder nicht oder ob jemand je einen Blick darauf werfen wird. Mit genügend Zeit wird jeder Müll zu Gold. Aber wird das auch bei Big Data der Fall sein?“ (216).

Es wurden immer wieder neue Versuche unternommen, um alternative Konzepte zu entwickeln, „Die wirksamste Methode, uns von der Abhängigkeit der Plattformen zu befreien, ist der Aufbau dezentralisierter Plattformen.“(15) Aber diese Versuche sind immer wieder gescheitert, weil: „In der letzten Zeit (haben wir) eine kulturelle Verschiebung weg vom aktiven, bewussten Nutzer und hin zum Subjekt als fügsamem und ahnungslosem Diener gesehen (wird).“ (17) ... weshalb keine Unterstützung bei den Benutzern gefunden werden konnte. Ein weiterer Grund lag in der Entwicklung, dass „Das Containerkonzept ›soziales Web‹ (stand) einmal für eine bunte Sammlung von Websites, von MySpace über Digg, YouTube und Flickr bis zu Wikipedia (stand). Fünf Jahre später war der Begriff um allerlei Hard- und Software (nicht mehr nur PCs und Laptops) ergänzt und in ›soziale Medien‹ umfirmiert worden.“(32) „Die sozialen Medien sind ein geschickter Trick gewesen, um die Leute zum endlosen Reden zu bringen. Ihr Suchtpotential ist unleugbar. Wir alle sind reaktiviert worden. Die Obszönität der durchschnittlichen Meinungen und die alltägliche Prostituierung von Details unseres Privatlebens sind nun fest in Software eingebettet und beschäftigen Milliarden Nutzer, die nicht mehr den Ausgang finden. Gibt es überhaupt einen Weg, aus dem Sozialen auszusteigen, ohne dass es jemand bemerkt?“(38).

Alle diese Themen treiben den Autor um, Diese Entwicklungen und die Probleme die sich daraus ergeben, zusammen mit den gescheiterten Projekten von Netzwerkaktivisten und Netzkritikern, werden in den folgenden Kapiteln des Buches dezidiert angesprochen und Möglichkeiten zur Veränderung oder auch Verbesserung beschrieben. Es spricht aber auch viel Fatalismus und Frustration aus diesen Bemühungen. Es wird andererseits aber auch gezeigt, wie gegen unerwünschte Entwicklungen z. B. im Finanzbereich wirkungsvoll gegengesteuert werden kann und erfolgreich echte soziale Netze funktionieren können.

Das Buch bringt eine Fülle von Informationen über laufende Entwicklungen im Internet und allgemein in digitalen Kommunikationsnetzen, was es zu einer lesenswerten Neuerscheinung mit neuen Ideen zu einem dynamischen Thema macht, informiert und auch zum Nachdenken anregt.

[Peter Dahms OpernInfo-Berlin.de - TanzInfo-Berlin.de]

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