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Der Prototyp der französischen Oper.

"Denkzettel 008", vom 3.06.2007

Lullys Tragédie en musique.**
(Lully)*
Tragédie en musique, seit dem 18. Jh. auch Tragédie lyrique (das Adjektiv entspricht hier nicht dem deutschen »lyrisch«, sondern ist synonym mit »en musique«), Bz. für die frz. Oper mit tragischem Sujet des 17./18.Jahrhunderts. Die Gattung entstand in dem Bemühen, die antike Tragödie wiederzuerwecken, und unter dem Vorbild der frühen it. Oper. Vorläufer sind in Frankreich die Pièces à machine (z.B. Pierre Corneille, Andromaque), die Comédie-ballet, das Ballet de cour, die durch Kardinal Mazarin eingeführten Aufführungen italienischer Opern und die dramatische Pastorale, wie sie R. Cambert erstmals in frz. Sprache realisierte. Aus diesen verschiedenen Gattungen schuf G.-B. Lully zus. mit dem Librettisten Ph. Quinault als Synthese die 5aktige tragédie en musique mit vorausgehendem Prolog; frühestes Werk ist Cadmus et Hermione (1673). Wie die gesprochene Tragödie verarbeitet die tragédie en musique Stoffe aus der antiken Mythologie sowie aus dem Sagenkreis des MA und der Renaissance (z.B. T. Tasso, La Gerusalemme liberata), läßt aber im Unterschied zum Sprechtheater die Forderung nach Einheit von Ort, Zeit und Handlung außer acht. Die Intrige beruht hauptsächlich auf verwickelten Liebesbeziehungen, die in der Regel ein Deus ex machina zu einem glücklichen Ende führt. Träger der Handlung sind meist zweitrangige Gottheiten und Heroen der antiken Mythologie (z.B. Bacchus, Polyphème, Flore oder Hébé) oder Helden aus der Dichtung des MA und der Renaissance. Ihr Gefolge bilden die Genien und die Naturkräfte, als Vermittler zwischen Göttern und Protagonisten dienen Zauberer und Priester. Mit seiner relativen Einfachheit, seinem Aufbau, seiner Versifizierung und seiner Handlungsführung wirkte das Libretto wieder auf die gesprochene Tragödie, in mancher Beziehung auf die Dichtung im allgemeinen zurück; die Diskussion, die im 18. Jh. in Frankreich über die Operndichtung geführt wurde (Buffonistenstreit), ist auch Teil der Literaturgeschichte. Kernstück der tragédie en musique bildet das Rezitativ, dessen metrisch-rhythmische Gestaltung und dessen Intonation sich an der Deklamation der Tragödie in der Comédie-Française orientierten; es kann auch in kurze Ariosi übergehen. Die tragédie en musique weist verschiedene Airtypen (2- und 3teilige und Refrain-Airs), Duette, Terzette und große Chorpartien, an Instrumentalstücken die sog. frz. Ouvertüre, deskriptive Symphonies oder Préludes und große Ballettszenen auf. Der Prototyp der tragédie en musique, Lully schrieb fast jedes Jahr eine tragédie en musique, zuletzt Armide et Renaud (1686), blieb auch nach Lullys Tode bis in die Mitte des 18. Jh. hinein maßgebend, so u.a. für M.-A. Charpentier, A. Campra, H. Desmaret, M.P. de Montéclaire, A.C. Destouches und J.-J. Mouret. So stand auch J.-Ph. Rameau fest in der Tradition der Lullyschen tragédie en musique, wenn auch mit erweiterten musikalischen Mitteln (z.B. Steigerung des Ausdrucks im Rezitativ, differenziertere Behandlung des Orchesters). Nach Rameaus Tode trat die tragédie en musique in der Gunst des Publikums gegenüber der neueren Gattung der Opéra-comique in den Hintergrund. Erst Chr. W. Gluck brachte mit seiner Iphigénie en Aulide (1774) die tragédie en musique wieder zu Ehren; er übernahm Geist und Thematik der Gattung, die er musikalisch mit neuen Mitteln realisierte. Auch Glucks musikalische Gestaltung steht in enger Wechselwirkung mit Drama und Sprache; während jedoch bisher das Rezitativ Vers und Versbau peinlich genau berücksichtigt hatte, behandelt es Gluck nunmehr frei nach dem Vorbild des it. Recitativo accompagnato und streicht vor allem mit dem Orchester die expressiven Momente und dramatischen Höhepunkte heraus  das Rezitativ, das auf Einfachheit und Wahrheit zielt, wird zur musikalischen »Prosa«. Konform mit der neuen Auffassung von musikalischem Theater in Frankreich wird am Ende des 18. Jh. die tragédie en musique durch das Drame lyrique abgelöst.

* LULLY, Jean-Baptiste (eig. Giovanni Battista Lulli), *28.11.1632 Florenz, +22.3.1687 Paris;

[Das Große Metzler Musiklexikon © 2002 Systhema in der United Soft Media Verlag GmbH, München]

** Tragédie lyrique (frz., musikalische Tragödie), auch Tragédie en musique. Ein Begriff für die (meist) ernste frz. Oper, wie sie sich ab Ende des 17. und im 18. Jh. entwickelte. Vorläufer waren das Ballet de cour sowie die Comédie-Ballet, Vorbild war auch die klassische frz. Tragödie, wie sie durch Corneille und Racine zur höchsten Ausformung gebracht wurde. Nach Ansätzen bei Cambert bildete Lully in der Zusammenarbeit mit dem Textdichter Quinault ab 1673 (Cadmus et Hermione) das Genre bereits aus. Kennzeichnend ist der geschlossene Szenenaufbau, die Einteilung in Prolog und 5 Akte, die vorwiegend kleinformatigen »airs«, der große Anteil der Chöre und Ballette, die meist mythologischen Stoffe. Der Typus wurde weiterentwickelt von Charpentier, Marais, Campra, Desmarets, Rameau. Letzte Vertreter des Genres waren Gluck, Piccinni, Salieri, Sacchini, wobei der Begriff weitgehend nur noch die Verwendung griech. Tragödien oder der Stücke Corneilles einschloss.

[Reclams Opernlexikon, S. 7275 (c) 2001 Philipp Reclam jun. http://www.digitale-bibliothek.de/band52.htm ]

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