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Gregorio Lambranzi

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"Tanzfotografie" - im März 2016
Historiografische Reflexionen der Moderne

Tessa Jahn / Eike Wittrock / Isa Wortelkamp (Hg.)
Tanzfotografie
Historiografische Reflexionen der Moderne

Print 192 Seiten, kart., zahlr. Abb.,
ISBN 978-3-8376-2994-1

E-Book (PDF)
ISBN 978-3-8394-2994-5

 
Die Herausgeberinnen des vorliegenden Bandes verfolgen in ihrem einleitenden Kapitel den Weg, des seit den 1820er Jahren neu entwickelten Verfahrens der Fotografie im Einsatz für die bildliche Dokumentierung von Personen, Objekten und Ereignissen. Dazu gehörten auch Bilder von Tänzerinnen und Tänzern. In den Anfängen der sich entwickelnden Technik waren das auch nur überwiegend Porträtdarstellungen und statisch arrangierte Posen aus längeren Bewegungsabläufen und Aufführungen. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass in der Historiografie des Modernen Tanzes diesen Abbildungen ein geringerer Wert zugeordnet wurde als den anderen Medien zur Erfassung von Tanzvorführungen und Choreografien, wie sie z. B. textliche Beschreibungen und auch Tanznotierungen darstellen. Im Vordergrund der historiografischen Verwendungsweisen steht die referentielle Funktion der Fotografie als Abbild einer vergangenen Wirklichkeit, die Hinweise über die mimisch-gestische bzw. tänzerische Darstellung, Kostüm und Requisite sowie gegebenenfalls raum-zeitliche Aspekte liefern kann. Deshalb kommt bis in neuere Zeit nur der illustrierende Charakter der Tanzfotografie in tanztheoretischen und -historischen Publikationen vor und das Medium wird zur Darstellung choreografischer Charakteristika und Bewegungsqualitäten herangezogen.(12).
Mit dem Ende des 19. Jahrhunderts standen weiterentwickelte Möglichkeiten zur Verfügung um auch Fotografien von Bewegung aufzunehmen und zusätzlich durch nachträgliche Bearbeitungen und Retuschen eine Vorstellung von Bewegungsabläufen und Dynamik in die Tanzfotos zu projizieren.
Bei den Fotografien des ‚Modernen Tanzes‘ bietet sich dadurch eine andere Perspektive, die das Projekt »Bilder von Bewegung – Tanzfotografie 1900—1920«, in dessen Kontext die vorliegende Publikation entstanden ist, bestimmte. Das dem Projekt zugrunde liegende Konzept von Tanzfotografie gründet auf einer Revision fotografischer Aufnahmen, die als fotografisch wie choreografisch gestaltete Bilder von Bewegung betrachtet werden.(13) Der vorliegende Sammelband ist das Ergebnis der Tagung »Fotolabor: Tanz 1900 —1920. Methodologische und historiografische Reflexionen von Tanzfotografie«, die vom 5. bis 7. Dezember 2013 im Museum für Fotografie in Berlin stattfand.(13 - Fußnote 10)
Exemplarisch für diese Auseinandersetzung können die Choreografien der Tänzerin Loïe Fuller gelten, die Ende des 19. Jahrhunderts zu einem beliebten Motiv zahlreicher namhafter Fotografen wie Samuel Joshua Beckett, Eugène Druet, Harry C. Ellis, Théodore Rivières und Isaiah West Taber sowie anonymer Fotografen avanciert. Die Aufnahmen von Fuller zählen zu den ersten Fotografien einer in Bewegung begriffenen Tänzerin und bilden einen wichtigen Wende- und Ausgangspunkt der Tanzfotografie, insofern sie das Spektrum der bis dahin vorherrschenden Darstellungstradition der Porträt- und Ballettfotografie erweitern.(14 – Fußnote 14)
Aus den vorgehenden Überlegungen leitet sich ein analytisches Vorgehen ab, das die ästhetische Eigenlogik einer Tanzfotografie im Kontext ihrer medialen und materialen Erscheinungsform einbezieht und das im Anschluss exemplarisch anhand eines Scrapbooks aus dem ‚Derra de Moroda Dance Archive‘ mit Fotografien von Anna Pavlova, im zweiten Teil der Einführung vorgestellt wird. (16).
Das vorliegende Buch ‚Tanzfotografie‘ besteht aus dreizehn weiteren Essays, aus der oben benannten Tagung von verschiedenen Autoren, die sich aus verschiedenen Blickwinkeln und Arbeitsbereichen dem Thema nähern und über ihre Erfahrungen und Ergebnisse berichten.
Christina Thurner thematisiert mit ihrem Essay, QUELLE TANZFOTOGRAFIE. EIN DILEMMA DER HISTORIOGRAFIE das Problem, dass es aus der Zeit des Anfangs des 20. Jahrhunderts fast keine fotografischen Quellen über Tanzaufführungen in Archiven oder Büchern gibt. Die wenigen Zeugnisse zeigen nur Aufnahmen von Solistinnen und Solisten als Porträtaufnahmen und diese wurden in der freien Natur oder im Studio aufgenommen. Das ist in der Entwicklung der Aufnahmetechnik dieser Zeit begründet. Erst ab den 1920er Jahren werden vereinzelt Bilder während einer Aufführung gemacht. Thurner beschreibt an Beispielen, wie mit diesen Problemen umgegangen werden kann, und beschreibt mögliche Vorgehensweisen für die Tanzgeschichtsschreibung.
Gabriele Brandstetter untersucht in ihrem Essay, TANZ! FOTO. BEWEGUNG IM KONTEXT am Beispiel von Nijinskys Rolle in dem Stück der Geist der Rose (1911), dass für eine Analyse der Bewegung nicht nur das Foto, sondern eine Reihe von Fotos einer Bewegung oder Tanzsequenz der Untersuchung zugrunde gelegt werden müssen.
Gisela Harich-Hamburger vergleicht in ihrem Essay, GEDREHT UND GEWENDET. TANZFOTOGRAFIE IM LABOR EINER RESTAURATORIN Fotos, die im Beginn des 20. Jahrhunderts in verschiedenen technischen Verfahren hergestellt und für verschiedene Verbreitungen angefertigt wurden unter restauratorischen Gesichtspunkten. Sie stellt die Frage, wie der Einfluss von Zeit und Bewegungsanalysen bei der technischen Bildanalyse auf die Produktionsbedingungen von Fotografen schließen lassen.
Sabine Huschka zeigt in ihrem Essay DAS PHANTASMA DER ANWESENHEIT. BILDWERDUNGEN EINES NICHTGEWESENEN wie die frühe Tanzfotografie mit ihren handwerklichen Raffinessen und ästhetischen Matrizen unser Bild von der beginnenden Tanzmoderne prägen. Hier wie in den anderen Essays wird u.a auch auf die Gedanken Roland Barthes in seinem Band "Die helle Kammer" zurückgegriffen, um die Intention und die Wirkung der Fotos zu beschreiben.
Die weiteren Essays beschreiben die Arbeit wichtiger Fotografen und deren Arbeitsweise bei der Produktion von Tanzfotografien, den Umgang mit anonymen Fotografien und die verschiedenen Techniken, die in der Fotografie auch die Bewegung beschreiben wollen, den Umgang mit Tanzfotos unbekannten Ursprungs und die unterschiedlichen Sichtweisen in den Bereichen verschiedenen Kulturverständnisses. Es folgen hier nur in Kürze aufgezählt, die Essays von:
Eike Wittrock mit FORMLOSE DOKUMENTATION. REVISION VON HUGO ERFURTHS FOTOGRAFIE DES GÖTZENDIENSTS VON MARY WIGMAN;
Nicky Van Banning mit ANGEHALTENE BEWEGUNG. DIE TANZFOTOGRAFIEN DES FOTOSTUDIOS MERKELBACH;
Nicole Haitzinger mit VOM GEFANGENEN VOGEL (1918) ZUM NACHTFALTER (2007). NIDDY IMPEKOVEN ALS METAMORPHES MOTIV;
Claudia Jeschke, Rainer Krenstetter mit TÄNZERISCH-CHOREOGRAFISCHE INTERMEDIALITÄTEN. ALEXANDER SACHAROFF IN BILD UND BEWEGUNG;
Gerald Siegmund mit EMPFINDUNG UND RISS. KÖRPER, RAUM UND WAHRNEHMUNG IN TANZFOTOGRAFIEN VON GERTRUD LEISTIKOW UND GRETE WIESENTHAL;
Charlotte Riggert mit DIE SICHTBARMACHUNG DES UNSICHTBAREN. ZUM SPANNUNGSVERHÄLTNIS VON TANZFOTOGRAFIE UND PARAPSYCHOLOGISCHEN FORSCHUNGEN;
Susanne Foellmer mit KIPP-MOMENTE. BILDKRITIK ALS PRAXIS DER HISTORISCHEN TANZAVANTGARDE AM BEISPIEL VALESKA GERTS
und Tessa Jahn mit FOTOGRAFISCHE ENTWÜRFE. EXOTISTISCHER TANZ IN DER POSTKARTENSERIE RUTH ST. DENIS (N.P.G. BERLIN)
Isa Wortelkamp beschreibt in ihrem "Nachwort", BLINDE FLECKEN. HISTORIOGRAFISCHE PERSPEKTIVEN AUF TANZFOTOGRAFIE ein Foto, das vom Fotografen Hugo Erfurth aufgenommen die Tänzerin Valerie Kratine in einer Sprungbewegung zeigt, ihre Empfindungen und Interpretationen des Fotos, und schließt auf die Bewertung dieser Art von Fotos in der tanzhistorischen Forschung. Die Überlegungen, die sie in Bezug zum Film anstellt, finden auch wieder ihre Entsprechungen in den Überlegungen von Roland Barthes über die Beziehung Foto und Film in der Aufnahme von Bewegung und der Authentizität der Darstellung.
Die Gedanken Roland Barthes in "Die Helle Kammer" (dem II. Teil) über die Fotografie und einzelne Fotografen aus dem Jahre 1979, veröffentlicht erstmals 1980 (franz.) und 1989 in Deutschland wird mehrmals in den Essays zitiert und zieht sich damit wie ein roter Faden durch den Band. Des weiteren sind die einzelnen Beiträge mit ausreichenden Quellen und Zitaten versehen, die der Band, als Tagungsband konzipiert, beinhaltet. So auch eine Fülle von Themen, die im Zusammenhang mit Tanzfotografien in der Tanzhistoriografie und in der Rekonstruktion von Tanzereignissen und Tanzstücken eine Rolle spielen und er läßt die Teilnehmer der Tagung über ihre vielfältigen Beschäftigungen und Erkenntnisse aus ihrer Praxis berichten. Er stellt die verschiedenen Zugangsweisen zu den einzelnen Arbeitsbereichen dar, die sich aber doch auf ähnliche oder gleiche Quellen zurückführen lassen, wie man aus den zitierten und nachgewiesenen Zitaten schließen kann. Eine Fülle von Informationen und Anregungungen wurde konzentriert und anschaulich zusammengestellt. Das Buch regt zum Weiterlesen an und macht Lust auf ein gedankliches Vertiefen in das Thema Tanzfotografie.

[Peter Dahms TanzInfo-Berlin.de]


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