PREMIERE „La Bayadère“

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Ballett in vier Akten – Choreographie und Inszenierung von Alexei Ratmansky nach Petipa – Musik von Ludwig Minkus

Besuch der Premiere am 4. November 2018 in der Deutschen Staatsoper Unter den Linden Berlin

Bühne/ Kostüm: Jérôme Kaplan
Licht: Linus Fellbom
Orchester: Staatskapelle Berlin
Nikia: Polina Semionova


Besuchsbericht:

Das letzte mal hatten wir die Wiederaufnahme des Ballett in der Interpretation von Vladimir Malakhov 2015 in der Deutschen Oper Berlin besucht, Die Stimmung damals war getrübt durch Streiks beim Staatsballett und dem Ende der Intendanz von Vladimir Malakhov. Das änderte jedoch nichts an der Faszination, die diese Aufführung auf uns ausübte. Hier ein kurzer Auszug des Berichtes über den damaligen Besuch.

Foto © Yan_Revazov
Foto © Yan_Revazov

„Ein Ballett wie aus einem Märchenbuch. Herrliche, farbenprächtige Kostüme aus wunderschönen, fließenden Stoffen und phantastische Bühnenbilder, die den Zuschauer sofort bezauberten. Vladimir Malakhov hatte das Ballett „La Bajadere“ in einer Inszenierung aus Wien mitgebracht und 1999 für das Staatsballett eine neue Version (in Anlehnung an die Inszenierung in Wien) geschaffen. Die Leistungen der Mitwirkenden sowie die Ausstattung insgesamt bilden eine gelungene Einheit. Dazu kommt die schöne Musik von Ludwig Minkus. […] . Die Hauptpartien waren, wie folgt, besetzt: Als Nikia, Iana Salenko, als Hamsatti, Elisa Carillo Cabrera, als Solor, Marian Walter […] man wird von der Musik von Ludwig Minkus in „La Bajadere“ sofort gefangengenommen. […] Von dem „Grand Ballet“ „Die Bajadere“ kennen viele Ballettomanen „Das Reich der Schatten“. Der Schattenakt ist das klassische Ballett in höchster Vollendung. Ein „Ballet blanc“, bei dem die Solistinnen und Solisten sowie das Ensemble ihr ganzes Können zeigen. Der Einzug der 32 Schatten zum Beginn des Aktes prägt sich unvergesslich in die Erinnerung von jedem ein, der diese Szene einmal sah. Dieser Akt ist ein selbstständiges symphonisches Ballett. Mit dem klassischen Tutu der Tänzerinnen, ohne Bezug zum Thema des Indischen in der Bajadere. Dies ist nur glaubhaft als eine Darstellung eines Traumbildes des Helden.“ [Renate Dahms i.M.].“

Nun zur heutigen Premiere der „Bayadère“, in der Rekonstruktion durch Alexei Ratmansky. Das Programmheft beschreibt den Gedanken einer Rekonstruktion in der Wiedergabe eines Gesprächs sehr anschaulich. Also, zurück zu den Wurzeln. Eine sehr aufwändige Produktion, die den Zuschauer mit Bühnenbild, Kostümen und Choreografie zu den ursprünglichen Gedanken und Absichten von Marius Petipa und Ludwig Minkus eines Grand Balletts zurückführt. Die ursprüngliche russische Interpretation war die Idee, eine Oper als Ballett mit den Ausdruckmitteln des Tanzes auszudrücken. So hat das Ballett ein vollständiges Libretto, das jedoch mit Hilfe der Mimik in Gesten und Emotionen erzählt wird. Die späteren Interpretationen entfernten sich mehr oder weniger weit vom Ursprung weg. Ratmansky hat mit der Auswertung von Archivaufzeichnungen das klassische Handlungsballett wieder auf seinen Ursprung zurückgeführt.

Foto © Yan_Revazov

Es ist ein eindrucksvolles, wenn auch in Teilen ein ungewohntes Erlebnis, dieses Grand Ballett zu sehen. Die farbenprächtigen Kostüme, die dramatische Handlung und die virtuose Darstellung der Solisten und der Gruppen beeindrucken die Zuschauer. Ein Übriges geben die imposanten Bühnenbauten und die ungewohnte Pantomime bei der Erzählung der Handlung. Auch für die Darsteller ist das wahrscheinlich auch ein spannendes, anspruchsvolles Erlebnis, das aber alle mit Bravour meistern. Ebenfalls die Musik von Ludwig Minkus, die die Dramatik effektvoll unterstreicht und von der Staatskapelle Berlin unter dem Dirigat von Victorien Vonoosten bestens ausgeführt wird.

Diese Inszenierung kann wegen ihres historischen Ansatzes und ihrer künstlerischen Umsetzung zum Besuch nur empfohlen werden. Eine Bemerkung möchte ich jedoch noch am Rande hinzufügen. Die Inszenierung hat meiner Meinung nach eine größere Bühne als die der „Königlichen Hofoper“ verdient, um ihre Opulenz voll auszuschöpfen. Das fällt besonders in den „Massenszenen“ und auch beim „Schattenakt“ auf, denen mehr „Spielraum“ für die Darstellung und ihre Präsens gut tun würde.

Peter Dahms [TanzInfo-Berlin.de]


Weitere Vostellungen:
SA 10.11.2018 / SA 15.12.2018 / MI 26.12.2018
FR 28.12.2018 / FR 18.01.2019 / SA 02.02.2019
SA 09.02.2019

Alle Fotos © Yan_Revazov