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"Das Denken der Bühne" - im August 2019
Szenen zwischen Theater und Philosophie


Leon Gabriel / Nikolaus Müller-Schöll (Hg.)

Das Denken der Bühne

Szenen zwischen Theater und Philosophie



Print, 8/2019, 278 Seiten kart.,
8 SW-Abbildungen
ISBN 978-3-8376-4239-1
E-Book
(PDF),
ISBN 978-3-8394-4239-5

Band 9 aus der Reihe ‚Theater‘ vom [transcript-verlag]


REZENSION:

Als einführende Bemerkungen zu diesem Sammelband sollten aus dem Vorwort und der Verlagsankündigung einige Zitate hier wiedergegeben werden, um den Leser einzustimmen, welche Fragestellungen und welche philosophisch geprägten Erkenntnisse ihn bei der Lektüre erwarten und welche Überlegungen zu den einzelnen Beiträgen geführt haben.

„Theater und Philosophie – dieser Band vereint erstmals zwei paradigmatische, historische Konstellationen: zum einen jene von der Zusammenarbeit mit Walter Benjamin geprägte Theatertheorie und -praxis Bertolt Brechts, die sich in den »Lehrstücken« und im Fragment »Der Messingkauf« findet. Zum anderen die in gegenwärtigen Theater- und Theoriediskursen einander korrespondierenden Redeweisen von Theater als einer Form des szenischen Denkens (William Forsythe u.a.) und von Philosophie als einer Form des Theaters (Jacques Derrida, Samuel Weber). Die Beiträge aus Philosophie, Theater- und Literaturwissenschaft analysieren das Theater der Philosophie und fragen, wie Theater denkt.“ (… aus der Verlagsankündigung zu diesem Sammelband)
„Der hier vorgelegte Band geht auf einen konkreten Anlass zurück: Er dokumentiert einige Beiträge, die im Zusammenhang eines internationalen und interdisziplinären Symposiums zum Thema „Thinking on/of the Stage“ vorgestellt wurden, das vom 26.-29. September 2013 im Künstlerhaus Mousonturm in Frankfurt stattfand. Ausgangspunkt des Symposiums war das Verhältnis von Theater und Denken unter besonderer Berücksichtigung von drei historischen Konstellationen. Zum ersten von der Begegnung Walter Benjamins und Bertolt Brechts zu Beginn der 30er-Jahre, […]“.(10)
„Als Denken auf der Bühne begriff in den vergangenen drei Jahrzehnten eine ganze Reihe von Theatermachern aller Sparten die eigene Praxis. Zu nennen wären hier Choreograph*innen wie William Forsythe, Jerôme Bel, Xavier Le Roy, Wanda Golonka, Meg Stuart oder Laurent Chétouane, aber auch Theatermacher*innen wie René Pollesch, Jean Jourdheuil, Ruth Kanner […]“(11)
„Was aber sollte die Rede von einem denkenden Theater genau ausdrücken? Handelte es sich dabei um eine bloße Metapher? Und wenn nicht: Wann wird dort gedacht? Wer denkt? Auf welche Weise? Kurz gefasst: Wie denkt Theater? […] (12)
„An Szenen, in denen Theater in der Philosophie eine prominente Rolle einnimmt und zur zentralen Metapher erhoben wird, mangelt es ebenso wenig wie an der Verhandlung von philosophischen Fragen im Theater, vor allem in dramatischen Texten. Was aber ist die Besonderheit eines szenischen Denkens? Wo lässt sich davon sprechen, dass eine Bühne einen Denkvorgang entwirft oder in diesen verwickelt ist? Der vorliegende Band geht diesen Fragen in unterschiedlichen Schlaglichtern nach und entwirft dabei zugleich eine Linie, die neben dem Bezug von Brecht-Benjamin zur Dekonstruktion und wiederum dieser Konstellation zum Theater auch das Verhältnis von Sprache, Denken und Bühne auslotet. Der Zusammenhang von Sprache und Denken, wie er in der oben eingeführten Thematik der Übersetzung erscheint, hat so den Forschungskontext der Frankfurter Theaterwissenschaft und diesen Band begleitet.. […]“ (13)
„Wenn Denken also vielmehr sowohl im Offenen als auch im Zeichen seiner Bedingungen
stattfindet, so stellt dies immer auch die Frage nach dem, was Teil dieses Denkens ist: Wie erscheint solches Denken auf seiner jeweiligen Bühne? Welche Ausschlüsse verhandelt es?(Zitat) Welches Material und welches Medium – kurz: welche Darstellung – ist unlösbar in dieses Denken verwickelt? […]“ (15-16)
„Die Beiträge des vorliegenden Bandes korrespondieren mit den drei Konstellationen, die am Ausgangspunkt der Frankfurter Forschungsarbeit zum Denken auf der Bühne standen: Brechts und Benjamins Denken des Theaters bilden den Fluchtpunkt der vier Beiträge der ersten Sektion, […]“ (17) 
„Ausgehend von den vier Beiträgen der zweiten Sektion erscheint der Kontext des Bandes in einem weiteren philosophischen und politischen Zusammenhang, […]“  (17)
„Die dritte Sektion des Bandes untersucht vor dem Hintergrund der neu aufgeflammten Diskussion über das Denken der Bühne, practice based research und künstlerische Forschung verschiedene künstlerische Praktiken, die speziell das Denken der Zeit in einer Installation von William Kentridge (Schade), des  Raumes in einer Choregraphie von Laurent Chétouane (Otto) und der Affizierbarkeit in einer Performance von Walid Raad (Gabriel) betreffen. Eingerahmt werden diese Beiträge von den Übersetzungen zweier wegweisender Beiträge zum Thema, von Samuel Webers zunächst als Keynote gehaltenen Beitrag „The Thinking Stage“ und Jacques Derridas ursprünglich als Vorlesung über Shakespeares Der Kaufmann von Venedig entwickelten Ausführungen zu Shakespeares szenischem Nachdenken über Recht und Gnade[…]“ .(18)

… Soviel zur Einführung und zur inhaltlichen Verarbeitung der verschiedenen Richtungen des Theaters als Musik, Performance- Literatur- und historisches Theater durch mich und uns als Zuschauer. Welche Erkenntnisse gewinne ich aus der Lektüre der Beiträge und wie helfen mir die gewonnenen Einsichten zur persönlichen Wahrnehmung des Theaters und des  Erkenntnisgewinns den ich daraus ziehen kann?  

Einführend und grundlegend beschäftigt sich das Buch, d.h. hier der erste Beitrag, mit dem Dilemma, dass sich bei einer Schuld und der Verpflichtung sie einzulösen, die Uneinlösbarkeit der Forderung zeigt und einer, durch Änderung zu einer äquivalenten Leistung sich die Grundlagen einer Religion entgegenstellen. Ersatzweise und zur Lösung des Problems wird zu einer theatralischen Inszenierung gegriffen, die den Fordernden zu einer Form der Gnade zur Aufgabe, in der Form geänderter, zu einer anderen Form der Befriedigung der Forderung veranlassen soll. Der Beitrag diskutiert die möglichen Lösungen, die dagegen sprechenden Grundlagen einer Religion, hier dem Christen- und dem Judentum, die einer Lösung des Problems entgegenstehen. Shakespeare hat diese in seinem „Kaufmann von Venedig“ eindringlich und ausführlich  herausausgearbeitet.
Das Buch entwickelt in den folgenden Beiträgen über die Autoren und Philosophen Benjamin, Brecht, Derrida und Le Roy deren Verständnis und Sicht auf das Theater und dessen Möglichkeiten, auf der Bühne diese Probleme zu behandeln und zu Lösungen beizutragen.

Untersucht wird die Bedeutung von Vergebung und Mitleid in Moral und Religion und ihre Behandlung im Theater. Die Trennung zwischen Spieler und Zuschauer wird im Theater aufgehoben und für eine neue Theatertheorie thematisiert. Das sind die interessanten Themen, die in diesem Sammelband aus den unterschiedlichen Betrachtungsrichtungen, ausführlich diskutiert und kommentiert werden und zu interessanten Schlussfolgerungen führen. Eine tiefgründige Diskussion, die eine Fülle von Informationen zwischen zwei Buchdeckel zwängt, und viele neue Denkanstöße zu alten und zu neueren Problemen und Fragen aufwirft, fast mehr als sie auch beantwortet.

Peter Dahms [OpernInfo-Berlin.de / Dahms-Projekt.de]


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