Borsig Werke

1836
Nach erfolgreicher Tätigkeit für F.A.Egells erhält August Borsig im Oktober 1836 die Genehmigung zur Betreibung einer eigenen Eisengießerei, im November erwirb er ein 19.000 Quadratmeter großes Gelände an der Thorstrasse, direkt neben der ‚Neuen Berliner Eisengießerei.
1837
Der erste Großauftrag für Borsig wurde schon von Fertigstellung der Fabrikanlagen angenommen, 117.000 Schrauben für die Berlin-Potsdamer-Eisenbahn. Mit dem ersten Guss aus dem eigenen Ofen beginnt am 22.Juli 1837 offiziell die Geschichte der ‚August Borsig Eisengießerei und Maschinenfabrik’. In den ersten Jahren ist das Produktionsprogramm von Borsig sehr gemischt, verschiedene Zubehörteile für die Eisenbahn und auch Kunstguss-Artikel werden gefertigt.
1839
Nach dem Bau eines Kesselgebäudes wird die Lieferung von Dampfmaschinen und Kesselanlagen aufgenommen. Der erste bedeutende Staatsauftrag ist die Konstruktion und der Bau der technischen Anlagen für das Pumpwerk Sanssouci, dass die Fontänen und Bewässerungsanlagen im Schlosspark betreibt und bis dahin als undurchführbar galt.
Erste Berührungen mit dem Lokomotivbau ergaben sich durch Reparaturaufträge an Lokomotiven der Berlin-Potsdamer-Eisenbahn.
1841
Bei der Berlin-Potsdamer-Eisenbahn wurden Lokomotiven der amerikanischen Firma W.Noris in Philadelphia eingesetzt, die Typen AMERIKA und PRUSSIA hatten einige wesentliche Schwächen in der Konstruktion die von Borsig für seine eigene Konstruktion verbessert wurden. Die Borsig Lokomotive hat eine erhöhte Dampfleistung die durch die Vergrößerung der Heizfläche erreicht wird und damit eine zusätzliche Laufachse benötigt, die die Laufeigenschaften verbessert. Am 24.Juni 1841 wird die Lokomotive BORSIG mit der Fabriknummer 1 fertig gestellt und absolviert im Juli auf der Strecke der Berlin-Anhaltischen-Eisenbahn seine erste erfolgreiche Fahrt. Darauf folgen weitere Bestellungen.
1844
Nachdem bei einer Wettfahrt 1843 eine Borsig-Lokomotive gegen eine englische  Konkurrentin gesiegt hat, setzt sich der Borsigsche Lokomotivtyp durch. Auf der Gewerbeausstellung wird bereits die vierundzwanzigste Lokomotive, die BEUTH präsentiert. Es ist eine wesentlich verbesserte 1A1-Lokomotive, sie wird von der Jury mit einer Goldmedaille prämiert.
1846
Am 20.September wird das erste Jubiläum mit der 100. Borsig-Lokomotive der DIOSCUREN für die Berlin-Hamburger-Eisenbahn gefeiert.
1847
Um der steigenden Nachfrage nach Lokomotiven nachzukommen, wird die Lokomotivfertigung in der Chausseestrasse auf Massenfertigung umgestellt, gleichzeitig wird mit dem Bau eines eigenen Walzwerkes, um Transportkosten für Walzbleche und Schmiedeeisen  einzusparen, in Moabit begonnen, es wird 1849 fertig gestellt. 1850 erfolgt die Übernahme der Königlichen Seehandlung mit einer Eisengießerei in Alt-Moabit.
Als 200. Lokomotive wird die BOREAS am 13.Oktober an die Stargard-Posener-Eisenbahn geliefert.
1854
Die Wirtschaftskrise von 1848 bis 1852 wird von Borsig gut überstanden und er kann am 25.März die 500. Lokomotive ausgeliefert werden. Die Monopolstellung Borsigs zeigt sich in der Anzahl der an die preußischen Bahngesellschaften gelieferten Lokomotiven, von 68 Stück sind 67 vo Borsig. . Im Jahr zuvor waren schon die ersten Maschinen an ausländische Bahngesellschaften verschickt worden.
August Borsig, auf dem Höhepunkt seiner Unternehmerkarriere, stirbt am 6.Juli 1854 in Berlin. Sohn Albert Borsig übernimmt die Firma.
1858
Während der Hochkonjunktur entstehen auf neuerworbenen Geländen in der Chausseestrasse  Bürogebäude, Montagehallen, Wasserbehälter, Tenderwerkstatt, Lackiererei und ein Hebewerk für Lokomotiven.
Am 21.August wird die 1000. Lokomotive die BORUSSIA an die Cöln-Mindener-Eisenbahn ausgeliefert.
1862
Baumeister J.H.Strack  plant und gestaltet seit ca. 1843 die Borsigwerksbauten. Zum 25.Firmenjubiläum werden die Fassade des Verwaltungsgebäudes mit den Wassertürmen an der Thorstrasse und den Arkaden an der Chausseestrasse 1 fertig. Die letzte Bauphase endete 1874.
1867
Auf der Pariser Weltausstellung erhält die 1Bn2-Personenzuglokomotive KÖNIG WILHELM als 2000. Lokomotive für die Cöln-Mindener-Eisenbahn eine Goldene Medaille.
1868
Ein Teil der Produktion wird nach Schlesien verlegt seit 1862 wird dort schon Steinkohle gefördert und ab 1865 hatte die Hochofenanlage ihren Betrieb aufgenommen.
1872
Der erste Siemens-Martin-Ofen in Deutschland wird im oberschlesischen Hüttenwerk aufgestellt, dort arbeiten zu dieser Zeit 2500 Menschen.
Borsig ist der größte Lokomotivlieferant Europas, 1873 wird die 3000. Lokomotive DREITAUSEND an die Berlin-Hamburger-Eisenbahn ausgeliefert.
1878
Am 10.April stirbt Albert Borsig im Alter von nur 49 Jahren. Für die minderjährigen Söhne Arnold Ernst und Conrad übernimmt ein Nachlasskuratorium, bestehend aus Justizrat Riem, und die Direktoren Beu und Braetsch die Verwaltung der Werke.
1880
Die erste Schmalspurlokomotive wird geliefert.
1883
Die 4000. Lokomotive ist eine Cn2-Maschine und wird an die Königlich-Pereußische Eisenbahn-Verwaltung geliefert.
1886
Um das Vermögen für die minderjährigen Söhne zu sichern, gibt das Kuratorium am 1.Juli die Schließung der der Fabrik in der Chausseestrasse und die Einstellung des Lokomotivbaus bekannt. Das Gelände wird total geräumt, neu aufgeteilt und mit Wohnhäusern bebaut. Es bleiben keine Spuren des Industriestandortes zurück.
Mehrere Bahnverwaltungen drängen auf die Rücknahme des Beschlusses, daraufhin wird in beschränktem Umfang der Lokomotivbau in Moabit weitergeführt. Die Jahresproduktion sinkt auf einen Tiefststand von 17 Stück in diesem Jahr.
1888
Die ersten Verbundlokomotiven werden als vier 1Bn2v-Schnellzugloks mit den Nummern 4244 und 4247 an die Holländische Eisenbahn geliefert.
1894
Am 23.April übernehmen Arnold August Paul Borsig (studierte Berg- und Hüttenwesen) und Ernst August Albert Borsig (ist Kaufmann) die Leitung der Firma.
1885
Die erste von hunderten schmalspurigen Werk- und Feldbahnlokomotiven in den nächsten Jahrzehnten wird ausgeliefert an die Ilse Bergbau Actiengesellschaft. 1896 wird sie der Fachwelt auf der Gewerbeausstellung vorgestellt.
1897
Arnold Borsig stirbt bei Rettungsarbeiten nach einem Grubenunglück in Oberschlesien. Ernst Borsig und Conrad Borsig leiten nun gemeinsam die Berliner Werke, Generaldirektor Märklin führt das oberschlesische Borsigwerk weiter.
Bereits 1996 war mit den Bauarbeiten für eine neue Fabrik in Tegel begonnen worden, im Herbst 1898 wird mit der Produktion von Lokomotiven, Dampfmaschinen, Dampfkesseln, Kompressoren und Pumpen sowie Anlagen für die chemische Industrie begonnen.
Das Eingangstor mit den beiden für den späthistorischen Industriebau typischen Türmen wird zum neuen Wahrzeichen der Firma.
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1904
Am 23.Juni wird die Feier zum hundertsten Geburtstag von August Borsig begangen.
1909
Am 31.Januar erhält die Familie Borsig durch Kaiser Wilhelm II den preußischen Adelstitel.
Im Juni wird die 7000. Lokomotive ausgeliefert.
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1931
Nachdem der Lokomotivbau bei der Firma Borsig bereits am 1.Januar 1930  aufgrund von Liquiditätsproblemen eingestellt worden war, wird das Lokomotivkontigent an die Allgemeine- Elektricitäts-Gesellschaft (AEG) verkauft. Unter dem Namen „Borsig-Lokomotivwerk“ wird der Lokomotivbau von der AEG in Hennigsdorf weitergeführt.

Die Firma „A. Borsig GmbH“ erlischt im Dezember 1931.
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1933
Am 6.Januar verstirbt Ernst von Borsig.



Quellen:
[1] Lokomotiven für die Welt,
Eisenbahn Kurier Verlag, Freiburg 1985
ISBN 3-88255-111-9

[2] Industriearchitektur in Berlin 1840-1910
Miron Mislin, Ernst Wasmuth Verlag 2002
ISBN 3-8030-0617-1


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