"Feuerland" an der Chausseestrasse.


Borsighaus  Chausseestrasse 13.
Das Terrain hinter dem ‚Oranienburger Thor’ wurde von den Berliner scherzhaft „Feuerland“ genannt, weil nach Einbruch der Dunkelheit die Feuer der Gießereiöfen an der Chausseestrasse die umliegenden Fabrikgebäude in eindrucksvolles Licht tauchten. Die Ansiedelung von Gießereien und Maschinenfabriken begann schon 1804 mit der ‚Königlichen Eisengießerei’ vor dem ‚Neuen Thor’ an der Invalidenstrasse. Für die Herstellung von Kanonenrohren in den Freiheitskriegen errichtet, wurde sie mit deren erfolgreichen Ende für die Manufaktur verschiedener ‚ziviler’ Eisenprodukte umgerüstet.
A. Borsig erwarb ab 1836 mit Gründung seiner Gießerei und Maschinenfabrik hinter der Ecke Chausseestrasse die Thorstrasse 46 – 52, sein erstes Grundstück, das er durch weitere Zukäufe erweiterte. 1838 folgte die Chaussseestrasse 1, 1840 die Thorstrasse 53, 1847 ein Grundstück an der  Tieckstrasse und 1856 die Thorstrasse 45. In diesen Jahren wurden auf diesen Grundstücken die erforderlichen Gebäude für die Produktion errichtet. Nach 1856 wurde das Areal nicht wesentlich erweitert und die gesamte Anlage dann in den Jahren 1887 bis 1886 nach Moabit verlagert.
F.A. Egells hatte sich schon vor Borsig auf dem Gelände mit einer kleinen  Maschinenfabrik etabliert. 1826 gründete er mit den Teilhabern Woderb und Schulz in der Chausseestrasse 4 diese erste Fabrik. Im Jahre 1840 kam dann die Chausseestrasse 3 hinzu. Ab 1850 firmierte der alleinige Inhaber Egells als ‚Neue Berliner Eisengießerei und Maschinenfabrik von F.A.Egells.’ bis in die 1870er Jahre.
W.Ohm und A.Steindorf übernahmen aus dem Eigentum von Borsig 1850 das Grundstück Chausseestrasse 5 (zwischen 2 und 4) / Tieckstrasse 12 nach Neuanlage der Tieckstrasse und errichten dort eine Maschinenfabrik. Andere kleinere Unternehmer siedelten sich auf den ehemaligen Garten- und Feldbereichen an und gründeten eigene Werkstätten. u.a. C.A.Rüdiger von 1844 bis 1854 u.w.
F.A.Pflug & Zoller erwarben ab 1855 die Chausseestrasse 8 und 11 als Strassengrundstücke und umfangreiche Flächen auf  dem hinteren Gelände der Chausseestrasse 8,9,10, und 12, dann noch weitere Flächen in der Invalidenstrasse 65 bis 67 und an der Tieck- und Borsigstrasse bis an den Stettiner Bahnhof. Auf diesem Gelände gründeten und erweiterten Pflug als Stellmacher und Zoller als Schlossermeister die Pflug’sche Waggonfabrik.
F.Wöhlert errichtete etwa zeitgleich mit Borsig schon ab 1846 bis 1848 in der Chausseestrasse 29, (36-37), 50, (46) nördlich der Invalidenstrasse seine Gießerei und Maschinenfabrik.
F.A.Schwartzkopff  als ein weiterer großer Pionier des Lokomotivbaues errichtete ab 1851 auf einem Gelände nördlich und parallel zur Invalidenstrasse von der Chausseestrasse 20 bis zum Stettiner Bahnhof reichend seine Maschinenfabrik und erweiterte dann auf die Chausseestrasse 17, 18 und weitere Grundstücke bis nach Erwerb des Grundstücks Ackerstrasse 96 (bei der späteren AEG) ab 1899 seine gesamte Fertigung nach Wildau süd-östlich Berlins verlegte.
Ab 1886 wurden auf dem gesamten oben beschriebenen Gebiet die Fabrikanlagen restlos abgetragen, die Grundstücke neu parzelliert, neue verbindende Strassen, Eichendorff-, Schlegel- und Novalisstrasse angelegt und komplett nach und nach mit Wohnhäusern bebaut. Das einzige Gebäude, dass heute noch an diese Zeit erinnert sind das Borsighaus in der Chausseestrasse 13 und eine Erinnerungstafel am Haus Chausseestrasse 1 / Ecke Torstrasse.


Chausseestrasse 1 Ecke Torstr.
 

Gedenktafel f. AUGUST BORSIG
Übrigens, 2018 neu gesehen: Die hier gezeigten Fotos sind von etwa 2007. Das große Eckhaus auf dem Foto oben, Chausseestraße Ecke Torstraße  ist total restauriert worden und dabei wurde wohl die Gedenktafel übersehen und ist jetzt nicht mehr von außen aufzufinden! ('Geschichte' entsorgt?)

Quellen:
[1] Industriearchitektur in Berlin 1840-1910,
Miron Mislin, Ernst Wasmuth Verlag 2002
ISBN 3-8030-0617-1
[2] Firmenschrift von ‚Schwartzkopff …'
[3] Firmenschrift und Katalog von  ‚Borsig’.
[4] div. weitere Hinweise aus Firmenschriften und Planskizzen.
[5] Topographischer Atlas Berlin,
Hrsg. SenVerw f BauundWohnen, Abteilung Vermessungswesen Berlin
Dietrich Reimer Verlag, Berlin 2. Neuausgabe 1995, 237 Seiten, A4
ISBN 3-496-02562-X

zur Planskizze >
* Alle Abbildungen © Dahms-Projekt


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