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"Onegin" vom Staatsballett Berlin - Abschied von Nadja Saidakova

Romantisches Ballett, hier treffen Sehnsucht, Hoffnung und Leidenschaft auf Überheblichkeit, Hochmut und Selbstsucht, aber Hochmut kommt vor dem Fall.

Ballett von John Cranko
Musik von Peter I. Tschaikowsky (eingerichtet von Kurt-Heinz Stolze)

    Choreographie und Inszenierung: John Cranko
    Bühne und Kostüme: Elisabeth Dalton
    Musikalische Leitung: Wolfgang Heinz
    Orchester: Staatskapelle Berlin
   
    Es tanzen:
    Solisten und Corps de ballet des Staatsballetts Berlin
    Onegin: Jason Reilly
    Tatjana: Nadja Saidakova
    Olga: Ksenia Ovsyanick
    Lenski: Dinu Tamazlacaru
    Gremin: Alexej Orlenco

"Es ist die Geschichte einer unerfüllten Liebe, die der wohl bedeutendste russische Dichter Alexander Puschkin in seinem Versroman „Eugen Onegin“ beschreibt, und es ist dieser Mythos von Onegin und Tatjana, der Mythos der Ewig-Einsamen die in der Nichterfüllung ihre Erfüllung finden müssen, die John Cranko meisterhaft choreographierte."
[Staatsballett Berlin]

Gestern nun war die Abschiedsvorstellung von Nadja Saidakova beim Staatsballett als 1. Solotänzerin. Nach Beendigung ihrer Karriere als Tänzerin nimmt sie nun eine andere Aufgabe beim Staatsballett Berlin als Ballettmeisterin wahr. Laut Presseberichten konnte sie sich aussuchen, welche Rolle sie zum Abschied tanzen wolle und entschied sich für die Tatjana in dem Ballett "Onegin". Das war eine gute Wahl, denn die Tatjana hat sie in all den Jahren immer sehr stark interpretiert, sei es tänzerisch oder schauspielerisch. Dazu muss man sagen, dass John Cranko hier eine großartige Choreographie kreiert hat. Es ist immer wieder ein Genuss, dieses Ballett anzusehen. Natürlich ist es enorm wichtig, dass dementsprechende Tänzerpersönlichkeiten diese choreographischen Vorgaben eindrucksvoll umsetzen.

Die ganze Thematik dieses Stücks erfordert neben hohem technischen Können auch ein großes Potenzial an ausdrucksstarker Schauspielkunst. Und hier steht vor allem die Tatjana im Mittelpunkt. Ihre Entwicklung vom jungen, schüchternen Mädchen zur gereiften Frau, ein Prozess, der jeder Darstellerin der Tatjana die Gelegenheit bietet, dies auszudrücken. Auch die weiteren drei Hauptprotagonisten*innen sind von Bedeutung, allen voran natürlich "Onegin". "Eugen Onegin" von Alexander S. Puschkin ist literarisch schon ein bedeutendes Werk (Versroman). Eine Oper und auch ein Ballett sind danach entstanden.


© Enrico Nawrath

© Enrico Nawrath

© Enrico Nawrath

Am gestrigen Abend nun die letzte Vorstellung mit N. Saidakova als Tatjana in "Onegin". Die musikalische Leitung lag in den Händen von Wolfgang Heinz. Unter seinem Dirigat war die Staatskapelle Berlin den Tänzern*innen ein zuverlässiger, musikalischer Begleiter. Die Musik von Peter I. Tschaikowsky wurde eindrucksvoll umgesetzt. Überhaupt, diese Musik passte großartig zum Geschehen auf der Bühne. Die Kostüme und das Bühnenbild ebenso. Eine Musik, die alles aussagt, gefühlvoll, beschwingt (wenn das Ensemble tanzte) und voller Dramatik, vor allem beim Pas de deux im letzten Akt (von Tatjana und Onegin). Die Pas de deux sind überhaupt choreographisch die Höhepunkte des gesamten Balletts. Wenn man bedenkt, wann J. Cranko dieses Ballett erschaffen hat, ist dies umsomehr eine grandiose Choreographie, zeitlos und nach wie vor aktuell. Das Prädikat, anspruchsvoll, mit spektakulären Hebefiguren, Sprüngen, Drehungen, beeindruckende Gesten, langsamen Schrittkombinationen und viele andere auffällige Elemente, all das zeichnet dieses Ballett aus.

Nun also N. Saidakova zum definitiv letzten Mal als Tatjana in "Onegin". Man merkte auch gestern, dass die Tatjana eine Figur ist, die sie mit Leidenschaft tänzerisch wie schauspielerisch verkörpert. Großartig ihre Wandlung vom verliebten, jungen Mädchen zur reifen Frau. Für mich persönlich war sie die 1. Solistin beim Staatsballett Berlin, die diese Rolle mit jeder Phase ihres Herzens am eindrucksvollsten gestaltet hat. Sicher hat dabei auch ihre Erfahrung eine große Rolle gespielt.

Ihr zur Seite Jason Reilly a. G. vom Stuttgarter Ballett, als Onegin. Ein fantastischer Tänzer. Er führte alle Soli eindrucksvoll aus. Vor allen Dingen technisch perfekt und sehr sauber (Drehungen u. a.). Die Pas de deux mit N. Saidakova waren atemberaubend, gleichzeitig herrschte eine große Harmonie zwischen beiden. Eine grandiose Demonstration für das Ballett!


Foto: © Enrico Nawrath

Ihr zur Seite Jason Reilly a. G. vom Stuttgarter Ballett, als Onegin. Ein fantastischer Tänzer. Er führte alle Soli eindrucksvoll aus. Vor allen Dingen technisch perfekt und sehr sauber (Drehungen u. a.). Die Pas de deux mit N. Saidakova waren atemberaubend, gleichzeitig herrschte eine große Harmonie zwischen beiden. Eine grandiose Demonstration für das Ballett!

Das Stuttgarter Ballett besitzt ja eine Anzahl von männlichen Weltklassesolisten. J. Reilly ist einer von ihnen. Es ist schön, dass er für die Abschiedsvorstellung von N. Saidakova verpflichtet werden konnte.

Als Olga sahen wir Ksenia Ovsyanick und als Lenski Dinu Tamaziacaru. Beide tanzten ihren Part mit viel Begeisterung und wussten auch schauspielerisch zu gefallen. D. Tamaziacaru zählt sowieso zu den Lieblingen des Berliner Ballettpublikums, da er schon in verschiedenen Rollen glänzte.

Erwähnen möchte ich noch die positive Vorstellung von Alexej Orlenco als Fürst Gremin. Sein Pas de deux mit Tatjana im letzten Akt war auch eine Klasse für sich, wie so vieles in diesem Ballett. Eine wirklich imposante Darbietung! Das Corp de Ballet bot wie immer eine exzellente Ensembleleistung, alles wunderbar synchron getanzt.

Nach Beendigung der Vorstellung gab es enthusiastischen Beifall für alle Mitwirkenden. Aber zu allererst wurde natürlich N. Saidakova gefeiert, Blumen wurden überreicht. Der Applaus wurde noch stärker, als V. Malakhov die Bühne betrat und N. Saidakova umarmte. Beide verbindet nicht nur eine jahrelange, berufliche Zusammenarbeit, sondern auch eine innige Freundschaft. Stehende Ovationen und Bravorufe von den Zuschauern. Der Applaus wollte nicht enden. Sichtlich gerührt ging N. Saidakova fast zum Schluss an den Rand der Bühne, zog ihre Ballettschuhe aus und bekundete damit den endgültigen Abschied von der Bühne. Dem Staatsballett bleibt sie ja als Ballettmeisterin erhalten. Wir, das Ballettpublikum, werden sie vermissen. Sie war eine Ausnahmetänzerin und eine Persönlichkeit, von denen es nicht mehr so viele gibt.

[Renate Dahms TanzInfo-Berlin.de]


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