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„Episteme des Theaters“ im Oktober 2016
Aktuelle Kontexte von Wissenschaft, Kunst und Öffentlichkeit


Milena Cairo, Moritz Hannemann,
Ulrike Haß, Judith Schäfer (Hg.)
Episteme des Theaters
Aktuelle Kontexte von Wissenschaft,
Kunst und Öffentlichkeit
(unter Mitarbeit von Sarah Wessels)

664 Seiten, kart., zahlr. Abb., 39,99 €,
ISBN 978-3-8376-3603-1

 
 
Die in diesem Band versammelten Beiträge sind aus dem 12. Kongress der Gesellschaft für Theaterwissenschaft hervorgegangen, der vom 25.-28. September 2014 an der Ruhruniversität Bochum stattfand. An dieser Stelle kann nur punktuell auf Aussagen und Meinungen hingewiesen werden, der Leser wird sich der Mühe unterziehen müssen, die jeweiligen Texte als Ganzes zu lesen und sie im Zusammenhang zu verarbeiten.

In ihrem Vorwort beschreiben die Herausgeber*innen die dem Kongress zugrunde liegenden Entwicklungen in der heutigen Theaterwissenschaft und Theaterpraxis. Zu den aktuellen Bewegungen und Diskussionen stellen sie fest, dass „Nicht nur Begriffe, Formen und Äußerungsbereiche des Theaters haben sich in den letzten 100 Jahren immens gewandelt und fortwährend verändert, sondern auch die sozialen, politischen, medialen und technischen Konturen unserer Gesellschaft.“ „Vor diesem Hintergrund vervielfältigen sich die Fragen des Theaters, das sich zunehmend in seiner Kontextabhängigkeit begreift.“(11) und weiter. „Heute können wir nicht mehr, wie noch vor 50 Jahren, sagen: Wir stehen einer komplexen Wirklichkeit gegenüber.“ „Wir stehen darin, […] auf beliebige Weise, in-between.“(12) das hat zur Folge. „Der in diesem Zusammenhang spürbaren kulturellen Unruhe entspricht eine Unruhe der Formen. Analog zu Vielheiten ohne gemeinsamen Nenner oder Rahmen ist gegenwärtig ein Aufkommen choreographischer, musikalischer und im weitesten Sinne chorischer Theaterformen verstärkt zu beobachten.[…]“(12,13) das heißt auch. „Bezogen auf den Erkenntnis- und Bezugsrahmen von Theater wird üblicherweise (wird) Theatergeschichte mit den großen Etappen einer allgemeinen Kulturgeschichte, kunstgeschichtlich konstruierten Epochen, nationalgeschichtlichen oder sogar politischen Geschichtsverläufen synchronisiert. Epochen und Abschnitte werden anhand von kulturellen, sozio-historischen oder politikgeschichtlichen Markierungen unterschieden und unter dem historisch eng gefassten Gesichtspunkt des Vorher und Nachher in eine Ordnung des Ablaufs gebracht. Die epistemologische Betrachtung von Geschichte erweitert das Schema des historischen Verlaufs. „(Daraus) ergeben sich Fragen nach der Art und Weise der Konstruktion, der Erreichbarkeit von historischen Materialien, (und es stellen sich) Fragen nach der Möglichkeit und Unmöglichkeit eines Reenactments. Dies hat wesentlich damit zu tun, dass die Institutionen, die lange Zeit normativ vorgaben, was Arbeit, Familie, Ausbildung, Kunst, Gesundheit usw. jeweils ausmachen und voneinander unterscheiden, derzeit verschwinden.“(13) „Nicht Kunst im Singular, sondern in einer ›Gemeinschaft der Künste‹, die niemals klar voneinander abgrenzbar sind und ein gemeinsames Problem bewegen. (So) ist künstlerisches Arbeiten in seiner Ausdehnung nicht zu bestimmen. Was macht oder wie verhält sich an dieser Stelle die Wissenschaft vom Theater?“ Die Antwort gibt uns die aktuelle Entwicklung, so kann man feststellen „Neuerlich in den Blick gerät der gemeinsame Ursprung von Kunst- und Wissenschaftsgeschichte in der Aufklärung des 18. Jahrhunderts als Folge der alten Unterscheidung von freien und angewandten Künsten.“(15) „Hans-Jörg Rheinberger charakterisiert in seinen Schriften zur modernen Wissenschaftsgeschichte das Experiment als eine »Umgebung im historischen Kontext«, denn der Forschende fange sozusagen niemals von vorne an, sondern am Ende von Wegen, die andere gegangen sind.[…] Experimentalsysteme seien ›Orte‹ oder ›eine Art Spinnennetze‹, in denen sich etwas verfangen kann, das man noch nicht kennt und von dem man nicht genau weiß, was es ist. Das Experiment ist somit in erster Hinsicht Konstellation oder Konfiguration von vielen und vielfältigen Elementen sozialer, kultureller und wissensbedingter Art. Diese Merkmale teilt das Experiment in vollem Umfang mit der Probe. Dieses forschende Finden ist sowohl den Künsten als auch der wissenschaftlichen Forschung eigen (und unterscheidet sie von der Herstellung).[…] Wissenschaftliche und künstlerische Arbeit gleichen sich, noch einmal mit Rheinberger, in der Art und Weise ihrer Hervorbringung von Nicht-Vorwegnehmbarem. Dennoch lassen sich Wissenschaft und Kunst nicht ›einfach‹ kombinieren. Derzeit geht es eher darum, konkrete Bedingungen und Möglichkeiten zu entwerfen, unter denen Künstler_innen und Wissenschaftler_innen sich begegnen oder zusammenarbeiten können, ohne sich das Feld des jeweils anderen zum Objekt zu machen.“(15) „Es ist als Vorteil zu begreifen, dass Theaterwissenschaft nicht Spezialisten für die Dramaturgie, die Produktion, das szenische Schreiben, die Kritik, die Regie usw. ausbildet, also nicht einfach Zugänge lehrt anhand eines Materials, das allemal schon als Theater definiert ist: Aufführungen, Bühnenkünstler, Stücke, Autoren, Epochen, Sparten oder Theaterkulturpolitik. Das hat alles seinen Stellenwert, steht aber nicht an erster Stelle. Theaterwissenschaft fragt nach dem Theater.“(16)

Einführend erklären in den folgenden Artikeln ausgewiesene Autoren die Zusammenhänge und die Beziehungen zwischen den (Natur) Wissenschaften und den Künsten aus der Sicht ihrer Tätigkeit und Erfahrung.

In seinem Beitrag „Episteme zwischen Wissenschaft und Kunst“ erläutert Hans-Jörg Rheinberger seine Forschungen über den wissenschaftlichen Forschungsprozess, den er als einen Prozess und nicht als einen teleologischen Vorgang sieht. Er bezeichnet seine Vorgehensweise als eine Art „Mikro-Epistemologie“. Er analysiert darin das in den neuzeitlichen Wissenschaften verortete Experimentalsystem und sieht dieses als einen Prozess und stellt ihn als die zeitliche Dynamik des Experimentierens in den Vordergrund. Damit kann eine Parallele zwischen den Wissenschaften und den Künsten gezogen werden und die Prozesse, die Kunst und Wissenschaft gemeinsam sind können unter derselben historischen Perspektivierung in den Blick genommen werden.(18) Daraus ergibt sich eine Annäherung zwischen Wissenschaft- und Kunstgeschichte.

In seinem Beitrag „Wissenschaft vom Theater als Denkzeitraum“ erklärt Hans-Thies Lehmann aus der Sicht des Theaterwissenschaftlers den gegenwärtigen Zustand und den Anstoß zur Analyse. „Unser Gegenstandsbereich Theater hat sich, ich darf sagen, ›dramatisch‹ verändert, sein Begriff hat sich enorm erweitert. Dieser Entwicklung folgt, wo sie Interesse beanspruchen kann, seine Analyse.“(29) Er formuliert klare Rahmenbedingungen und stellt dezidiert Forderungen an das heutige Theater. „Wie andere Geisteswissenschaften auch, muss Wissenschaft vom Theater sich also der doppelten Verpflichtung stellen, geduldige Reflexion statt überhasteter Tageskritik und historische Rückvergewisserung statt kurzatmiger sogenannter Aktualität im Blick zu haben.“(30) und kritisiert. Beinahe kein Theater, kein Festival, keine Kunstproduktion mehr, die sich nicht dadurch legitimieren will, dass sie die Kunst – statt die eigentümliche Leistung der ästhetisch-theatralen Anmutung ins Licht zu rücken – durch eine alles umfassende Diskursivierung zu begründen sucht. Derlei ›philosophische‹ Diskursivität ist jedoch oft genug nur der Tagesmode abgelauscht und aus schlecht und hastig verdauten Theoriestichworten gebastelt.(32) und er schließt daraus: „Daher möchte ich abschließend betonen, dass Theater von Anfang an immer auch eine Art von Denken auf und mit der Bühne ist, eine Art von Denken als szenische Praxis. So wie Malerei eine Art des Denkens in Farben, Musik ein Denken in Klängen ist. Wenn sich aber die Tragödie das aristotelische Lob, sie sei so ›philosophisch‹, zu sehr zu Herzen nähme, dann verschwände sie, tragischer- oder ironischerweise, aus einer eigenen, inneren Dynamik heraus als Theater.(39)

In ihrem Beitrag „Über Setzungen - Sieben Positionen zu Epistemen“ entwickeln die Autoren Birgit Peter, Klaus Illmayer, Nora Probst, Vivien Aehlig, Mayte Zimmermann, Daniel Rademacher, Lucas Herrmann, Jeanne Bindernagel jeweils aus ihrer persönlichen Sicht und ihrer Tätigkeit eine Keynote zur Absicht, zum Thema und zum erwarteten Ergebnis der Tagung.

Der Band versammelt anschließend die Vorträge die angesprochenen und diskutierten Beiträge des Kongresses thematisch unter den folgenden vier Gruppen:
- Theatertheorie, Modelle, Konstellationen
- Historiographie, Gedächtnis, Zeit des Theaters
- Kritik, Kunst, Forschung
- Theaterarbeit, Kontexte, Recherchen

Der vorliegende Sammelband ermöglicht dem Leser einen kaleidoskopischen Einblick in die heutige Forschung und Praxis des Theaters, der Theaterwissenschaft und der Theaterhistoriographie, wenn er sich in die Lektüre der 650 Seiten des voluminösen Tagungsbandes einlässt. Der Erkenntnisgewinn belohnt ihn dafür. Geeignet ist es als Nachschlagewerk oder auch zur überschlägigen Information über aktuelle Trends. Aus dieser Sicht ist der Band lesenswert.

[Peter Dahms TanzInfo-Berlin.de]


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