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Gedanken zu "Jean George Noverre"

 
JEAN GEORGES NOVERRE
''Ballettmeister und Tanztheo­retiker, geb. 29. April 1727 in Paris, gest. 19. Ok­tober 1810 in St. Germain-en-Laye."


Foto: gallica.bnf.fr
 Bibliothèque nationale de France

Nachdem ich heute in der neuen Ausgabe der Zeitschrift TANZ den Artikel [1] von RALF STABEL las, kam mir der Gedanke, nach dem Abschluss der Reihe zum “Ballett in Berlin”, eine neue Reihe zu beginnen, in der ich über Persönlichkeiten der Tanzgeschichte kleine Essay schreiben könnte, um sie in unserem Infoportal zu veröffentlichen. Der Einfachheit halber beginne ich am Besten auch mit JEAN GEORGES NOVERRE, weil ja der 200. Geburtstag ein schöner Bezugspunkt ist und vermutlich Wenige, außerhalb und hoffentlich nicht innerhalb der Tanzszene, mit dem Namen und der Person noch etwas an Kenntnis und deshalb Interesse verbinden werden. Schade drum, es gibt in seinen Arbeiten [4] so viele Bezugspunkte zur heutigen Tanzpraxis.
Also nehme ich mir die kleine Bibliothek, die über TATJANA GSOWSKY und GERT REINHOLM an unsere Tochter STEPHANIE gekommen ist und die jetzt in meinem Besitz ist vor, um zu sehen, ob darin etwas Relevantes und Erzählenswertes zu finden ist.
Ich werde fündig. Ich finde die Monografie [3] aus dem Jahre 1944, Kulturgeschichte des Balletts von JOSEPH GREGOR. Einfühlsam und sachkundig wird hier die Geschichte des Tanzes erzählt, ergänzt wird das Buch durch einen angeschlossenen Bildteil, der für das Verständnis für diese Kunst, die in hohem Maße neben der Musik auch für das Auge geschaffen wurde, unbedingt erforderlich ist. Neuere Bücher über Tanz- und Tanzkunst beschränken sich heute meist auf diesen Teil. Das ist bei der modernen Technik des Druckes der einfache Weg. Eine tiefer gehende Beschreibung und eventuell ein Eingehen auf die historischen Quellen und Entwicklungen wird dabei wegen Mangel an Zeit und Wissen unterlassen. Auch schade drum. Das mir vorliegende Buch bringt beides in harmonischer Ergänzung. Ich werde wohl öfter darauf zurückgreifen. Vielleicht finde ich ja noch ein weiteres Buch in dieser Art aus Alter Zeit.
JEAN GEORGES NOVERRE war Schweizer Abstammung und wurde am 29. April 1727 in Paris geboren. 1743 wurde er schon namentlich in einem Ballett erwähnt. 1744/45 trat er in Berlin auf, 1747 war er in Dresden und kehrte 1748 wieder nach Paris zurück. 1748 choreografierte er seine ersten Ballette. Wie sein späterer Kontrahent ANGIOLINI verfasste er in seinem Leben insgesamt rund 100 eigenständige Ballette. Da er die zu seinen Zeiten übliche Tanzschrift (z. B. nach FEUILLET) als nicht angemessen für seine Vorstellungen fand, hinterließ er keinerlei Aufzeichnungen. Nur ein Ballett seines Schülers DAUBERVAL ist in einer fast ununterbrochenen Aufführungstradition, zwar mit wechselnder Ballettmusik, in unsere Zeit gekommen. Es ist das Ballett La Fille mal gardée.
Heute ist NOVERRE vor allem durch seine tanztheoretischen Schriften bekannt. Seine Lettres sur la danse, et les ballets wurden erstmals 1760 in Lyon und in Stuttgart, wo er im Dienste des Herzogs Karl Eugen von Württemberg stand, dem er auch die Originalausgabe widmete, veröffentlicht. In Stuttgart konnte er auf alle Ressourcen des Hofes zurückgreifen und die bedeutendsten Tänzer wie GAETANO VESTRIS und JEAN DAUBERVAL zu Gastspielen aus Paris verpflichten. Prunkvolle Ausstattungen ließ er dazu von den bekanntesten Künstlern seiner Zeit anfertigen. Seit dieser Zeit war NOVERRE ausschließlich als Choreograf tätig und setzte damit seine Reformvorstellungen im Ballett in Berlin, Dresden, Marseille, Lyon, Straßburg und Paris um. Eine erste deutsche Übersetzung seiner Lettres erschien 1769 in Hamburg und Bremen.
NOVERRE lehnte in seinen Reformen in erster Linie die Tanzregularien der Académie royale de danse, die 1661 gegründet worden war, ab. Sie war demnach gegen den schematisierten Bewegungskanon der Arm- und der Beingestik und die streng geometrisch, symmetrisch regulierte Bewegung im Raum gerichtet. Er forderte den natürlichen Ausdruck und eine malerische Gruppierung der Tänzer entsprechend dem Prinzip der Naturnachahmung. Ausdrucksstarke Gestik sollte die mechanischen Bewegungsabläufe ersetzen. Eine charakteristische Mimik sollte durch den Verzicht auf die dahin gebräuchlichen Gesichtsmasken sichtbar werden. Es sollten natürliche und dem Thema des Balletts angemessene Kostüme gezeigt werden. Er griff damit Themen auf, die schon eifrig diskutiert worden waren. Bei seinen Fachkollegen fand er jedoch keine Zustimmung, eher in den mehr intellektuellen Kreisen. Für seine neue Darstellungsform prägte er den Begriff ballet en action. Die praktische Umsetzung seiner Reformen begann er um 1757. Über die Reform und deren Umsetzung, auch im Hinblick auf die heutige Aufführungspraxis wird noch einiges zu erzählen sein.
[Peter Dahms]

[1] „Noverre“, Ralf Stabel in: TANZ Oktober 2010, S.56-59
    Friedrich Berlin Verlagsgesellschaft mbH
[2] Jean Georges Noverre, »Briefe über die Tanzkunst«,
      Ediert und kommentiert von Ralf Stabel,
      Henschel Verlag Leipzig 2010
[3] Gregor, Joseph, »Kulturgeschichte des Balletts« Wien: Gallus 1944
[4] »Lettres sur la danse, et sur les ballets par M.Noverre« von 1760, das Original aus:
       gallica.bnf.fr  - Bibliothèque nationale de France.

Peter Dahms 28.10.2010

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