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Ballett in Berlin (2005)

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Gregorio Lambranzi

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13.03.2010

"Choreographie als kritische Praxis" - im Juli 2009

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10.12.2009

"Am Rand der Körper" - im Juli 2009

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15.11.2009

"Geste" - im Juli 2009

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"Vladimir Malakhov by Dieter Blum" - im September 2009

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03.08.2009

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Gala der 'Staatlichen Ballettschule Berlin' 2010

Abschied und Neubeginn, das diesjährige Galaprogramm der Staatlichen Ballettschule Berlin mit „Ein Sommernachtstraum“ von Torsten Händler am 31.Mai 2010 in der Berliner Staatsoper Unter den Linden

 
Fotos(2x): (c) Frank Heckel
 
- Staatliche Ballettschule

Gestern Abend hob sich vorerst zum letzten Mal der Vorhang zu einem Ballettabend in der Berliner Staatsoper Unter den Linden: Die Staatliche Ballettschule Berlin zeigte in ihrer diesjährigen Gala wiederholt die fulminante und abendfüllende Produktion „Ein Sommernachtstraum“ in der Choreografie und Inszenierung von Torsten Händler. Ein tosender und nicht enden wollender Applaus für alle Beteiligten auf und hinter der Bühne krönte die gestrige Veranstaltung. In einer knappen Woche schließen sich dann die Pforten des legendären Opernhauses für die geplante dreijährige Sanierungsphase des gesamten Theaterkomplexes Unter den Linden.

Die Produktion „Ein Sommernachtstraum“ von Torsten Händler wurde nun zwei Jahre lang an unterschiedlichen Orten von der Staatlichen Ballettschule Berlin gespielt und hat in dieser Zeit nichts an ihrer überzeugenden Frische und Eindringlichkeit verloren. Die Choreografie fließt unglaublich harmonisch innerhalb der großen Ensemble-Bilder von Formation zu Formation, ist in den Solo-Szenen und den Rollen-Zeichnungen prägnant choreografisch verfasst und wurde von den Schülern und Studenten punktgenau mit großer Spielfreude tänzerisch wie auch darstellerisch gemeistert. Die fantasievoll luftig-gestaltete Bühne von Manuela Geisler und die wunderbar humorvoll Detail verliebten Kostüme von Birgit Wunder geben der Produktion ein sensibles und geschmackvoll abgerundetes optisches Erscheinungsbild. Die musikalische Ebene umfasst u.a. unweigerlich die legendäre „Sommernachtstraum“-Schauspielmusik von Felix Mendelssohn-Bartholdy eingebettet in eine fantasievolle Geräusch/Klang/Musik-Collage, die der szenisch-choreographischen Handschrift Torsten Händlers ungemein abwechslungsreich und ausgelassen entgegenkommt.
Kommen wir nun aber zu den Protagonisten der Szene, den Schülern und Studenten der Staatlichen Ballettschule Berlin, die den Abend auf mitreißende Art und Weise zu gestalten wußten:
Yanquiel Ochoa Leiva als Puck verzauberte wieder einmal durch seine ungeheure tänzerische Leichtigkeit, seine Spielfreude und seine versierte Raffinesse im Technischen wie auch im Szenischen. Alles schien er wie im Nebenbei aus den Ärmeln zu schütteln, da war keinerlei Anstrengung zu verspüren, ganz cool und läßig unverblümt rauschte er unverdrossen über die Bühne.
Laura Smeets als Hoppolyta überzeugte durch eine beherrschte tänzerische Linienführung, verfügt darüber hinaus über eine majestätische Ausstrahlung und eine ungemein eindrucksvoll gewandte  tänzerische Attacke in den teilweise vertrackten, aber raffiniert konzipierten Pas de deux' mit ihrem Partner William Nascimento Lima als Theseus, der durch seine elegante Erscheinung, seinem dezenten unaufdringlichen Charme und sein versiertes Partnern bei Hebungen und Drehungen, sowie seinen aufblitzenden Luftsprüngen schon im letzten Jahr bei der Premiere sehr überzeugend aufgefallen war.
Anudari Nyamsuren als (diesjährig neubesetzte) Titania verfügte über eine hinreißende Leichtigkeit im Tänzerischen, ließ ohne weiteres spielerisch ihre Beine bei ausladenden Battements in die Höhe schnellen, glitt lautlos in ihren Spitzen-Pas de bourées über die Bühne und überstrahlte die Szene mit einer ganz ihr eigenen verinnerlichten Grazie. Maximilian Hoppe war im letzten Jahr noch einer der Handwerker, nun ist er in der Tänzer-Generationsfolge nachgerückt und durfte einen ganz jugendlichen, aber bestimmt kraftvollen Oberon frisch entwickeln, den er aus seiner ganz individuellen Ernsthaftigkeit heraus gestaltete. Durch die teilweise Neubesetzungen erfuhren die Rollen vielfach im Vergleich zum Vorjahr, also auf den zweiten Blick, eine neue Dimension und erhielten ebenso eine erfrischende Akzentverschiebungen durch die gereifte Rollen-Interpretationen der Einzelnen.
Julia Schalitz als Helena hatte wunderbar lyrische Momente in ihrem Part, ausdrucksstarke Armbewegungen und betonte vollkommen überzeugend und ungezwungen die Liebes-Leidenschaft ihrer Partie. Anna Lisa Breuker als Hermia wirkte auf den ersten Blick fast noch zu jung für ihre Rolle (auch sie ist eine der Neubesetzungen durch den tänzerischen Generationswechsel), überzeugte aber augenblicklich durch ihre frische Bühnenpräsenz und ihre Musikalität in den Bewegungen. Sie verfügte über eine ganz natürliche szenische Klarheit und Glaubwürdigkeit in ihrer Rollengestaltung.
Julian-Manuel Trapp als Demetrius ist scheinbar eine Idealbesetzung für die Figur des kernigen und burschikosen Draufgängers, ganz klar und prägnant war er in seinen Ausführungen und erschaffte seine Rolle auf den Punkt genau kraftvoll im Tanz. Christopher Carduck als Lysander überzeugte durch seine ungetrübte und offene tänzerische Präsenz versehen mit einer guten Portion Lyrik und einer herzlichen Verspieltheit sowie Leichtigkeit in seiner Darstellung.
Ein ganz frisch besetzter Handwerker-Trupp bestach dieses Jahr szenisch, wie auch tänzerisch sein Publikum, angeführt vom nicht zu bändigenden Luan Donato Soares als Zettel. Dieser junge Tänzer drehte und sprang so frisch, balgte und kabolzte so frech unbefangen durch die Szenen, das es eine wahre Pracht und ein wahres Vergnügen war ihm zu zuschauen. Ebenso eindrucksvoll war  Alexander Bohr als Flaut, der scheinbar in seinem gestalterischen Können und Wollen auf der Bühne fast nicht zu zügeln war; er sprudelte szenisch vom ersten Moment seines Auftretens an  unverdrossen über die Bühne. Auch Nils Freyer, Isaak Thiesen, Tommaso Tezzele und Katharina Schmidt als die weiteren Handwerker hatten einen solch versprühenden Spaß an ihren Partien, der sich bis in die kleinsten ausgestalteten szenischen Nuancen hinein deutlich machte.
Alicia Ruben als Motte führt die jüngste vierköpfige Feen-Riege an und wußte ihre Sache hinreißend zu machen, da war zum Vorjahr nichts an tänzerischem Charme und becircender Spielfreude verloren gegangen, im Gegenteil, die Prägnanz innerhalb der tänzerischen akzentuierten Darstellung ist so verinnerlicht worden, dass man gar nicht anders konnte, als verzaubert lauthals Applaus zu spenden.

Abschied und Neubeginn: im nächsten Schuljahr wird ein neues Programm erarbeitet, dann aber greift man wahrscheinlich wieder auf die sich bewährte zweiteilige Gegenüberstellung von Klassik und Moderne innerhalb einer Gala zurück, frei nach dem erfolgreichen Motto: „Tradition bewahren, Neues wagen“. Wir können alle gespannt darauf sein und uns schon heute auf eine der nächsten Produktionen der Staatlichen Ballettschule Berlin freuen, obwohl es einen gleichzeitig auch recht traurig stimmt, eine solch gelungene Produktion wie den abendfüllenden „Sommernachtstraum“ von Torsten Händler erst einmal verstaut in schlummernden Kisten und Kasten der Staatlichen Ballettschule Berlin zu wissen.
[Markus Thiée für TanzInfo-Berlin.de]

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Heute ist Samstag, der 4. September 2010