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Gregorio Lambranzi

GREGORIO LAMBRANZI von 'Stephanie Dahms'
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Diese "TanzInfo Berlin" präsentiert:
... aktuell und dynamisch, bunt gewürfelte Infos aus allen Bereichen der Berliner Tanzszene, eingeschlossen Kabaret und Zirkus, Veranstaltungen und Termine, Berichte und Geschichten, Adressen, sowie die einschlägige Literatur und die Geschichte zu diesen Themen.
"Sylvia"

Hier ein Beispiel:

Quelle: reclams Ballettführer 13.Auflage

CHOREOGRAFIE:
Louis Merante;
MUSIK: Leo Delibes;
LIBRETTO:Jules Barbier und Jacques de Reinach, nach Torquato Tasso;
BÜHNENBILD: Jules Cheret, Auguste-Alfred Rübe und Philippe Chaperon;
KOSTÜME: Pierre Eugene Lacoste;
URAUFFÜHRUNG:14. Juni 1876. Opera (Salle Garnier), Paris, Ballett der Opera
ROLLEN: Aminta, Schäfer; Orion, der schwarze Jäger; erster Waldgeist; erster Satyr; 2 Satyrn; ein Bauer; Sylvia, Nymphe der Diana; Diana; Amor (Tänzerin); 2 äthiopische Sklavinnen; ein junger Schäfer (Tänzerin); eine Bäuerin; eine Negerin; Waldgeister, Satyrn, Faune, Najaden, Dryaden, Nymphen, Schäferinnen, Bäuerinnen, junge Mädchen mit Blumen, Gefolge von Bacchus, Volk, Sklavinnen, Seeleute

I. Akt
, ein geweihter Hain im Mondschein, links hinten ein Marmorschrein mit einer Amorstatue, rechts eine Wasserquelle inmitten von Felsen:
Faune, Waldgeister und Dryaden brechen ihre scherzhaften Spiele ab, als Aminta naht. Dieser sucht hier ein schönes Mädchen, das er in einer früheren Nacht gesehen und in das er sich verliebt hat, und er bittet Amor um Hilfe. Kaum hat er das getan, hört er Schritte und versteckt sich hinter der Statue. Da erscheint Sylvia, Lieblingsnymphe der Diana, mit ihren Begleiterinnen. Doch auch Orion, der schwarze Jäger, zeigt sich auf dem Felsen und beobachtet wie Aminta die Nymphen. Plötzlich entdecken die Nymphen Amintas Stab und Mantel, und sie vermuten einen Sterblichen in ihrem Schrein. Bald haben sie Aminta hinter der Statue gefunden. Der Schäfer erklärt Sylvia seine Liebe, die, erzürnt über solch unziemliches Verhalten, sofort ihren Pfeil auf ihn richtet. Doch sie überlegt es sich noch einmal: Nicht Aminta trifft Schuld, sondern Amor. Deshalb will sie ihren Pfeil auf die Statue abschießen. Den Frevel kann Aminta verhindern, indem er sich dem Pfeil in den Weg stellt. So wird er tödlich getroffen. Daraufhin schießt Amor einen goldenen Pfeil auf Sylvia; unverletzt nimmt sie den Pfeil und steckt ihn in ihren Köcher. Der Morgen bricht an, und die Geisterwesen verschwinden  allmählich. Jetzt nahen die Bauern zur Weinlese; Schäfer folgen ihnen. Ein junger Schäfer bleibt zurück und versteckt sich, als Orion naht. Im Schrein entdeckt Orion den toten Aminta und freut sich; er wollte nämlich den Schäfer töten, der es gewagt hat, sein Rivale um Sylvias Gunst zu sein. Mit einer Schlinge in der Hand versteckt er sich, als er Sylvia kommen hört. Sylvia hat sich von den anderen Nymphen getrennt, weil sie sich zu Aminta hingezogen fühlt und ihn um Verzeihung bitten möchte. Diesen Moment nutzt Orion aus, fängt Sylvia mit dem Seil ein und trägt sie fort. Nun stürzt der junge Schäfer hervor, der alles mit angesehen hat, und ruft die Bauern zusammen. Einige kümmern sich um Aminta, andere machen sich auf die Suche nach Orion. Amor, als alter Zauberer verkleidet, tritt dann zu Aminta und erweckt ihn mit einer Rose, die er an dessen Lippen bringt, wieder zum Leben.Der alte Zauberer berichtet ihm auch von Sylvias Entführung. Als schließlich Sylvias zerrissener Mantel angebracht wird, steht Amintas Entschluss fest: Er will Sylvia befreien. Noch einmal kniet er vor der Amorstatue nieder, und in diesem Augenblick verwandelt sich die Statue in den leibhaftigen Amor, der Aminta den Weg zu Orions Lager weist.

II. Akt,
l. Bild, Orions Höhle mit Tisch und Hockern:
Orion bewundert die schlafende Sylvia. Sobald sie erwacht ist, will sie fliehen, doch Orion hält sie fest. Nach weiteren Fluchtversuchen versperrt er den Ausgang mit einem Felsen. In ihrer Verzweiflung gibt Sylvia vor, auf Orions Liebesbeteuerungen einzugehen, und willigt ein, mit ihm einen Imbiss einzunehmen. Zwei äthiopische Sklavinnen bringen Speisen und Getränke herbei; zu Sylvias Überraschung ist kein Wein dabei. Sie bittet die Sklavinnen, Wein zu holen, und gibt Orion davon zu trinken. Dieser allerdings hat noch nie zuvor Wein getrunken; schnell wird er beschwipst und zudringlich. Sylvia kann ihn sich erfolgreich vom Leib halten, und bald schläft er ein. Doch sie kann den Felsen, der den Eingang versperrt, nicht wegbewegen. In ihrer Not erfleht sie Amors  Hilfe und verspricht ihm ihre Waffen, wenn er sie befreie. Amor erhört sie und erscheint; er trägt sie aus der Höhle davon, die in der Tiefe versinkt.

2. Bild, Felsenlandschaft:
In der Nacht sieht Sylvia Aminta, wie er nach ihr sucht. Amor hält sie davon ab, zu ihm zu eilen.  

II. Akt,
l. Bild, Landschaft am Meer, in der Mitte eine große Eiche, links hinten der Tempel der Diana:
Man feiert die Weinlese, und eine Bacchusstatue wird  zum Fuß der Eiche gebracht. Aminta kehrt zurück; er ist betrübt, dass er Sylvia nicht finden konnte. Da legt ein Schiff an; ihm entsteigt Amor, als Pirat verkleidet, gefolgt von Sklavinnen. Diese hindern Aminta am Fortgehen, und eine von ihnen erregt sein Interesse, erinnert sie ihn doch an Sylvia. Amor hebt ihren Schleier: Es ist Sylvia, und Aminta sinkt ihr zu Füßen. Jetzt erscheint Orion und stürzt sich auf die beiden. Sylvia flieht in den Dianatempel; Aminta erwartet Orion zum Kampf. Doch dieser stürmt zum Tempel und schlägt wütend gegen die Tore. Dieses Sakrileg lässt den Himmel sich verdüstern, und plötzlich öffnen sich die Tore: Diana steht auf der Schwelle, mit Pfeil und Bogen bewehrt, und erschießt Orion. Dann wendet sich Diana Sylvia zu; sie ist zornigauf die Nymphe, weil sie ihren Schwur, nicht zu lieben,gebrochen hat. Sylvia macht Amor für alles verantwortlich, und der hinzutretende Aminta will alle Schuld auf sich nehmen. Doch Amor stellt sich mit einem Donnerschlag vor Diana: Er erinnert sie an ihre einstige Liebe zu Endymion. und daraufhin verzeiht Diana. Sie gibt Sylvia und Aminta ihren Segen.

2. Bild, Dianas Palast:
Sylvia und Aminta knien vor Diana und Amor nieder.


Sylvia - das Werk hieß im Original 'Sylvia ou La nymphede Diane' - war das erste Ballett, das nach der Eröffnung des von Charles Garnier konzipierten neuen Pariser Opernhauses uraufgeführt wurde. Angesichts dieses prominenten Anlasses überrascht es, dass die Direktion der Opera ein Libretto nach Torquato Tassos Drama Aminta (1573) akzeptierte, waren doch Schäferspiele und antikisierende Inhalte seit dem vorromantischen Ballett immer seltener geworden. Im Libretto liegt denn auch die große Schwäche des Balletts: Der Detailreichtum und die ungenügende Dramaturgie der Geschichte prägen signifikant das Werk; was ihren Anteil an der Gesamtdauer betrifft, so dominieren die pantomimischen Passagen bei weitem gegenüber den tänzerischen. Das Fehlen eines großen Divertissements verstärkt den ungünstigen Eindruck noch. Dagegen überragt die Musik die meisten anderen Ballettkompositionen ihrer Zeit. Vergleichbar Pjotr Tschaikowski in Russland, widmete sich mit Leo Delibes einer der wichtigsten französischen Theaterkomponistender Musik, und ähnlich wie Tschaikowski, wenn auch nicht auf dessen Niveau, entwickelt sich seine Musik nach sinfonischen Prinzipien, ist melodisch und rhythmisch von künstlerischer Formung und eignet sich hervorragend als Begleitung für Bühnentanz.

In der Originalchoreografie blieb Sylvia fast 30 Jahre im Repertoire der Opera; rasch verbreitete sich das Ballett nach der Uraufführung in Europa. Im 20. Jahrhundert erlebte es in Paris verschiedene Neuchoreografien, etwa von Serge Lifar (1941). Eigene Fassungen mit zum Teil stark bearbeitetem Libretto schufen unter anderem Heinrich Kröller (Berlin 1922), Leonid Lawrowski unter dem Titel Fadetta (Leningrad 1934), *Frederick Ashton (London 1952), Läsziö Seregi (Budapest 1972) - diese Choreografie haben mehrere Kompanien übernommen - und John Neumeier (Paris 1997). Von George Balanchine stammt ein Pas de deux Sylvia (New York 1950).


* zur Premiere in der Deutschen Oper Berlin am 28.April 2007:
Schäferspiele waren bereits im vorromantischen Zeitalter ein wenig aus der Mode gekommen, groß in Mode hingegen war der Komponist Léo Delibes, und das nicht ohne Grund: mit seinem Talent für das Heiter-Tänzerische, um das Peter I. Tschaikowsky ihn beneidete, bestimmte er das Repertoire der Pariser Spielpläne. Sein Ballett “Sylvia” (von 1876) ist es auch, das immer wieder namhafte Choreographen inspirierte, die verwickelte Geschichte über die Liebe der Nymphe Sylvia zum Schäfer Aminta in Kauf zu nehmen, um der Sehnsucht nach Arkadien tänzerisch Ausdruck zu verleihen.
Auch Frederick Ashton war in erster Linie von der tänzerischen Komposition fasziniert, als er 1952 eine Version von “Sylvia” entwickelte. Als man diese Fassung 2005 beim Royal Ballet rekonstruiert hatte, sah sich das Publikum einer Choreographie gegenüber, die wohl zum Schönsten gehört, das der Urvater des englischen Balletts geschaffen hat. Die weltferne Atmosphäre betonend stellt Ashton den Tanz in den Mittelpunkt und versprüht mit seinem ungeheuren choreographischen Charme eine feine Mischung aus Schönheit und Humor.
[Quelle: Staatsballett Berlin]


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